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Weder See noch Land – Moor – eine verlorene Landschaft

Niedersachsen zählt zu den moorreichsten Landschaften Deutschlands. Noch im 18. Jh. nahm das Moor eine beachtliche Fläche von 6.500 km2 ein; offene, baumlose Flächen prägten das Landschaftsbild und machten es unwegsam und lebensfeindlich. Diese ganz eigene Welt aus Wasser und Land bildete das passende Umfeld für Extreme und Gegensätze und einen Lebensraum, der heute weitgehend verloren ist.

Wie entstehen solche Lebensbedingungen?

Das Wachstum weitreichender Moorflächen ist das Ergebnis klimatischer Veränderungen, die etwa im 6. Jt. v. Chr. einsetzten: Im Anschluss an die letzte Eiszeit wird es wärmer und feuchter und der Meeresspiegel steigt an. In Feuchtgebieten sind das ideale Voraussetzungen für die „Erhaltung“ abgestorbene Pflanzenreste, denn diese vergehen nicht, sondern werden zu Torf und wachsen so zu einer kompakten Schicht weit über die anstehende Umgebung hinaus. Die Nährstoffversorgung der Vegetation, gebildet wird das Moor in erster Linie durch die so genannten Torfmoose, erfolgt über das Grund- bzw. Regenwasser.

Das Hochmoor ist sehr stark den klimatischen Bedingungen der verschiedenen Jahreszeiten unterworfen: Im Sommer gibt es extreme Trockenphasen, so dass die Kombination aus Wind und Wärme sogar eine wüstenähnliche Atmosphäre schafft. Da das Moor jedoch die Wärme nicht speichern kann, sinkt die Temperatur in der Nacht rapide ab, so dass Bodenfrost in dieser Landschaft auch im Sommer keine Seltenheit ist. Nässe und ausgetrocknete Stellen (Bulten) liegen im Moor eng beieinander, so sind die entsprechenden Pflanzen und Tiere Temperaturschwankungen von bis zu 60°C ausgesetzt.



Wer lebt in solcher Umgebung?

Das Leben in den Hochmoorgebieten ist sicherlich nicht durch eine reiche Artenvielfalt an Tier und Pflanzen geprägt, denn zusätzlich zu den Klimaschwankungen herrscht ein sehr säurehaltiges Milieu vor. Dem können sich nur wenige Lebewesen anpassen. Interessant ist es, dass die Natur bzw. die einzelnen Arten sich trotz der Nährstoffarmut sehr gut zu helfen wissen und wir es mit biologischen Besonderheiten zu tun haben.

Die Torfmoose der Gattung Sphagnum z. B. können sich einzig durch Regenwasser ernähren. Durch den Austausch der eigenen Substanzen nehmen sie selbst kleinste Mengen an Mineralstoff-Ionen aus dem Regen auf, setzen dadurch einen hohen Säuregehalt im Wasser frei und schaffen sich somit ihr ganz eigenes Biotop, in dem nur wenige pflanzliche Konkurrenz überleben kann. Zu den wenigen Arten zählen unter anderem Sonntau oder Wasserschlauch – sie sichern ihre Versorgung über den Fang und Verzehr von Insekten.


Die Ausstellung bietet Ihnen einen lebhaften Eindruck von dem Zusammenspiel von Tier- und Pflanzenwelt im Hochmoor – Käfer und Ameisen, Amphibien und Vögel, Schmetterlinge und Hummeln besitzen alle ihren festen Platz in der Lebensgemeinschaft Moor.










Und wo bleibt da der Mensch?

Für den Menschen waren diese Verhältnisse sehr ungünstig, denn die Flächen waren kaum für Siedlungen, Landwirtschaft oder Viehzucht geeignet. Wohl niemand möchte in einem Umfeld leben, das ein beinahe unüberwindbares Hindernis darstellt und die ohnehin spärlichen Siedlungen voneinander isoliert. Hölzerne Wege und Straßen über das Moor belegen jedoch, dass diese Landschaft bereits seit der Jungsteinzeit erschlossen, nicht „kultiviert“, sondern überquert und naturbelassen werden konnte. Kultfiguren aus Holz und -objekte aus kostbaren Materialien, alle im Original zu besichtigen, belegen menschliches Handeln durch kultisch-religiöse Motivation. Bestandteile von Rad und Wagen, die nach Achs- und Radbrüchen am Wegesrand zurückgelassen wurden, bieten die Möglichkeiten für exakte Rekonstruktionen der ersten Fahrzeuge in Nordeuropa: Mit zu den ältesten Stücken weltweit gehören die ausgestellten Achsen aus dem Moor bei Lohne, Ldkr. Diepholz/Vechta.

Die konservierende Wirkung des Torfes schafft einmalige Erhaltungsbedingungen für organische Materialien, so sind die Moore für die Archäologie eine wahre Fundgrube an Spektakulärem, Seltenheiten sowie auch Alltagsgegenstände des menschlichen Lebens. Zu den Besonderheiten zählen die Moorleichen. Moderne Techniken und medizinische Untersuchungen geben Aufschluss über Krankheiten, Ernährung und Tracht sowie in einigen Fällen auch über die Todesursache. Aus welchen Gründen die Toten im Moor versenkt wurden, bleibt allerdings auch für die Forschung ein Rätsel.

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Wirtschaftliche Nutzung – eine heute verlorene Landschaft

Mit dem systematischen Abbau des Torfes und der intensiven Moornutzung geht diese einzigartige Naturlandschaft verloren. Bereits seit dem 17. Jh. erschlossen erste Siedler die weiten Gebiete als Wirtschaftsraum: Die Randbereiche der Moorflächen wurden kolonisiert und Torf wurde zur Brennstoffgewinnung abgebaut. Dadurch, dass die Arbeit zunächst von Hand erfolgte, kamen auch viele Funde zutage. Das änderte sich jedoch schon im 19. Jh. mit dem Beginn des industriellen Torfabbaus sowie der Drainierung weiter Flächen in großem Maßstab. Das bedeutete ein unwiederbringliche Zerstörung dieses Lebensraumes.


Von dem, was ehemals die Moorlandschaft Nordwestdeutschlands prägte, ist heute nur noch ein beinahe unbedeutender Anteil erhalten; vom Menschen unbeeinflusste Hochmoore gibt es nicht mehr. Die wenigen noch verbliebenen Flächen stehen heute unter Naturschutz. Ein ganz entscheidender Aspekt, für den unsere Besucher besonders durch die Großinstallationen sensibilisiert werden.







Rundgang durch die Ausstellung (QuickTime-Film)