Das Somali-Dorf in Oldenburg 1905 – eine vergessene Kolonialgeschichte?

vom 26. Juni bis zum 28. August

Diese Ausstellung entsteht anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Oldenburger Landesausstellung von 1905. Denn das Großherzogtum Oldenburg zeigte vom 09. Juni bis 20. September 1905 auf dem Gelände der heutigen Dobbenwiesen seine Leistungen im Bereich des Gewerbes, der Industrie und der Kunst. In diesem Zeitraum besuchten rund 630.000 Menschen die Ausstellung.

Zu den Hauptattraktionen zählte das im Vergnügungspark der Landesausstellung inszenierte Somali-Dorf. Derartige ethnografische Schaustellungen waren damals keine Seltenheit, sondern eine beliebte Attraktion der Jahrhundertwende. Einer der bekanntesten Anbieter solcher Völkerschauen war die in Hamburg angesiedelte Firma der Gebrüder Hagenbeck, von der sich einige bisher unveröffentlichte Quellen in Oldenburg befinden.

Der Jahrhundertschritt 05 – Ziele der Ausstellung:

Unter der Bezeichnung „Jahrhundertschritt 05“ ist der gesamte Rahmen zum 100jährigen Jubiläum der Oldenburger Landesaus-stellung von 1905 zu verstehen, in dem von verschiedenen Kooperationspartnern aus Wirtschaft, Architektur und Kultur unterschiedliche Veranstaltungen geplant sind.

Die Idee dieses Schrittes wird in der Ausstellung aufgegriffen, um an die fast vergessene Kolonialgeschichte Deutschlands zu erinnern und speziell die deutschen Kolonien Afrikas zu beschreiben sowie die Jahre 1905 und 2005 zu vergleichen.

Anhand von zahlreichen Objekten und Fragestellungen werden das zeitgenössische Bild von Afrika sowie der Umgang mit Menschen afrikanischer Herkunft beleuchtet und Überlegungen aufgezeigt, ob und in welchen Formen heute noch koloniale Strukturen und rassistische Denkmuster existieren.

Ausgehend vom Somali-Dorf dokumentiert und reflektiert die Ausstellung des Landesmuseums anhand von Weltausstellungen und Völkerschauen den kolonialen Blick Europas und seine Spuren in Oldenburg.

Völkerschau in Oldenburg:

Die 65 Menschen des Oldenburger Somali-Dorfes stammen vermutlich aus dem in Djibuti gelegenen Hinterland von Obock am Roten Meer, dem Gebiet des damaligen frz. Somaliland.

Im Vorfeld der Landesausstellung war Edmund Porfi, Vertreter der Firma Bamberger aus London und späterer Direktor der Völkerschau in Dschibuti, um eine Dorfgemeinschaft als Völkertruppe für Europa zu suchen. Djibouti (so frz.) grenzt im Westen an Äthiopien, dem damaligen Abessinien, an Eritrea im Norden und Somalia im Süden.

Edmund Porfi, so berichtet eine Ausstellungszeitung, hat die Menschen auf einer vierzehntägigen Karawanenreise von der letzten Bahnstation aus im Innern des Landes angeworben.

Die aus Kindern, Frauen und Männern zusammengestellte Gruppe wurde über Marseille eingeschifft und zunächst in Paris und Köln zur Schau gestellt, bevor sie pünktlich zur Ausstellungseröffnung 1905 in Oldenburg eintrafen.

Die Dorfgemeinschaft präsentierte ihr alltägliches Leben, einen Bazar, auf dem die Erzeugnisse ihrer Handwerkskunst zu erwerben waren, sowie tägliche Vorführungen ihrer Schwert- und Festtänze. Ein Ereignis von herausragender Bedeutung war die Hochzeit zwischen Katika und Elmi, die am 17. August 1905 für verstärktes Interesse sorgte.

Der koloniale Blick:

Die Völkerschau in Oldenburg in Form eines inszenierten Somali-Dorfes steht exemplarisch für den Umgang und die Sichtweise Europas auf fremde Völker in der Kernphase des deutschen Kolonialismus.

In diesem Zeitraum, von 1884 bis 1918, waren seine Auswirkungen nicht nur in Metropolen wie Berlin zu spüren, sondern erreichte auch Oldenburg, eine Stadt, die damals gerade 28.000 Einwohner zählte. Heute noch erinnern einige Straßennamen in Oldenburg sowie Gebäude, in denen früher Kolonialwarenläden waren, an die koloniale Vergangenheit Deutschlands.