"Mit dem Boot über die Rocky Mountains -
Unter Wölfen, Büffeln, Bären und Indianern"

 “Go west, young man, and grow up with the country“  (John Soule, 1851)

Die USA als Weltmacht verstehen – und wer wollte gerade heute die Wichtigkeit solchen Bemühens bestreiten – heißt die Motive der westward expansion, des ein Jahrhundert währenden Prozesses der Ausdehnung der Vereinigten Staaten bis in den pazifischen Raum und dessen Bedeutung für das nationale Selbstbild verstehen. Imperiale Perspektive als selbstverständlicher Rahmen nationalen politischen Handelns hat für die USA eine ungebrochene Tradition seit ihrer Gründung vor mehr als zweihundert Jahren. Diese Tradition - gepaart mit optimistischem Sendungs- und Selbstbewußtsein sowie unbändigem Gestaltungsdrang - wurde bis heute kaum je durch die Erfahrung des Scheiterns getrübt.  

Die Entstehung der Mentalität des can do, will do ist ohne die westward expansion kaum denkbar. Deren räumlicher und historischer Ausgangspunkt waren der Louisiana Purchase im Jahre 1803 und seine Erkundung durch zwei Armeeoffiziere, Meriwether Lewis und William Clark, die ein 43 Männer umfassendes Corps of Discovery befehligten. Die mehr als zwei Jahre dauernde Expedition führte per Boot den Missouri aufwärts durch das Gebiet der Sioux Indianer bis zu den Mandan Indianern im Gebiet des heutigen North Dakota. Dort baute das Corps mit tatkräftiger Unterstützung der Indianer ein Lager, Fort Mandan, in der Nähe des heutigen Ortes Washburn, N.D., in dem sie bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius überwinterten. Im Frühjahr 1805 wurde die Reise in Booten den Missouri und den westlichen seiner drei Quellflüsse hinauf fortgesetzt; dann ging es mit Pferden über die Bitterroot Range in der Hauptkette der Rocky Mountains; dann wieder per Boot den Clearwater, Salmon und Columbia River hinab, dessen Mündung in den Pazifik im November 1805 erreicht wurde. Nach erneutem Überwintern im eigens dafür angelegten Fort Clatsop in der Nähe des heutigen Astoria traf das Corps of Discovery am 23. September 1806 nach über 8000 Meilen wohlbehalten wieder in St. Louis ein.

Die vor allem in den Tagebüchern von Lewis und Clark, aber auch in den Aufzeichnungen weiterer Mitglieder ungewöhnlich detailreich dokumentierte Expedition markiert den Anfang jener später, seit der Debatte um die Annexion von Texas, zum manifest destiny, zur schicksalhaften Bestimmung der Nation, stilisierten Ausbreitung der USA über den gesamten Kontinent. Zweifellos gilt die Geschichte der Lewis and Clark Expedition heute - zum zweihundertsten Jahrestag ihres Beginns - als das große Gründungsepos der USA .

Die Ausstellung beleuchtet die Facetten der Reise von Lewis und Clark, ihre Stationen und Erfahrungen in einem fremden Land. Die Sonderausstellung ist eine Zeitreise in das 19. Jahrhundert und eine Weltreise auf den amerikanischen Kontinent.