Zierde, Zauber, Zeremonien
Amulette zum Schutz von Körper, Hab und Seele

10. Juni bis zum 26. August 2007

Thema

Vom 10. Juni bis zum 26. August 2007 lädt das Landesmuseum für Natur und Mensch zur Entdeckungsreise in die Welt der Talismane, Glücksbringer und anderer „Schmuckstücke“ ein.

Die Sonderausstellung zeigt eine Auswahl von überwiegend aus Ägypten stammenden Schmuckobjekten mit Amulettcharakter aus der umfangreichen Sammlung von Frau Jutta Schienerl. Sie wurde dem Museum im Jahr 2003 als Schenkung übergeben und wird nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

Menschen schmücken ihre Körper seit eh und je in allen erdenklichen Variationen: mit Bemalungen, Tätowierungen - und vor allem einer großen Vielfalt an Gegenständen, die Körper und Kleidung zieren. Doch der ästhetische Reiz von Schmuckstücken scheint oft von einem weiteren wichtigen Aspekt abzulenken, der sich erst dem aufmerksamen Betrachter erschließt: Der weltweit verbreitete Glaube an eine übernatürliche, schützende und heilende Kraft von Amuletten, die als Grundform des Schmuckes gelten. Im Mittelpunkt der Ausstellung soll deshalb nicht die ästhetische Wirkung des Schmuckes stehen, sondern der Gebrauch von Amuletten in verschiedenen Alltagssituationen erläutert werden.

Ausstellungsbereiche

Ängste, Abgrenzung und Abwehr - Schmuck und Amulette weltweit im Wandel der Zeiten

Der Wunsch, selbst Einfluss auf das Schicksal nehmen zu können, um Unglück von sich und seinem Lebensumfeld abzuwenden, ist wohl so alt wie die Menschheit selbst.

Durch Handel, Völkerwanderung und aufgrund der Ausbreitung der einzelnen Religionen gelangten Materialien, aus denen Schmuck mit Amulettcharakter gefertigt wurde, in alle Welt. Entsprechend breiteten sich auch Bearbeitungstechniken, Motive und symbolische Bedeutungen aus.

Blickfänge und Blickableiter: Amulette gegen den Bösen Blick

Die Vorstellung vom „Bösen Blick“ - obwohl oft mit dem populären Islam assoziiert und als Aberglaube belächelt - ist ein universelles Phänomen, das auch im Christen- bzw. Judentum Erwähnung findet. Bestimmten Menschen, denen man negative Eigenschaften wie Zorn, Eifersucht und Neid unterstellt, werden in vielen Kulturen schädigende Einflüsse durch das „böse Auge“ auf ihr Umfeld zugesprochen. Vorgestellt werden typische abwehrende Amulette wie die „Hand der Fatima“ sowie Augenamulette aus Ägypten und der Türkei, die den Bösen Blick auf sich ziehen bzw. ablenken sollen.

Bekenntnis, Schutz und Zugehörigkeit – Tradition von Schmuck und Amuletten im Islam

Eine herausragende Bedeutung hat der Gebrauch von Schmuck und Amuletten im islamischen Kulturraum erlangt. So sind die in Verarbeitung, Gestaltung und Verwendung vielfältigen Amulette in Nordafrika Teil der Alltagstracht von beiden Geschlechtern. Anhänger, Ketten oder Ringe, denen eine spezifische Funktion bzw. Wirksamkeit zugeschrieben werden, werden im Rahmen von Übergangsritualen wie Hochzeiten und „kleinen“ Alltagshandlungen verwendet. Sie können somit ein möglicher Schlüssel für das Verständnis des Islam und seiner Vorgaben im täglichen Leben der Menschen sein.

Kult, Kunst und Handwerk: Amulette im Alltag am Beispiel der Ethnien in Ägypten

Bei den Bedja, die im südöstlichen Landesteil Ägyptens als nomadisierende Großviehzüchter leben, sowie unter den Oasenbewohnern der Wüste, wie z.B. den Berbern, haben sich von alters her überlieferte Schmuckformen weitestgehend bis heute erhalten. Ausgewählte Exponate sollen einen Einblick in die Alltagskultur dieser und anderer Ethnien ermöglichen und damit auch die ethnische Vielfalt der gesamten nordafrikanischen Region aufzeigen.

Therapie, Vorsorge und Heilung: Amulette und die Gesundheit

Im den von den Vorgaben und Werten des Islam geprägten Regionen, aber auch in vielen anderen Kulturen vertraut man nicht nur auf die schützende, sondern gleichermaßen auf die heilende Wirkung von Amuletten. Vor allem für Frauen gibt es eine Vielzahl von Amuletten, die sie und ihren Nachwuchs in den kritischen Übergangsphasen ihres Lebens (Schwangerschaft und Mutterschaft) vor negativen Einflüssen schützen sollen.

Vertreibung und Besänftigung der Geister:  Amulette im Zâr-Kult

Wenn moderne, schulmedizinische Therapien nicht den gewünschten Erfolg zeigen, dann gilt der Zâr-Kult oft als letzte Möglichkeit zur Behandlung körperlicher oder psychischer Erkrankungen eines Patienten.  Vor allem in den Großstädten Ägyptens werden diese religiösen Zeremonien von und mit Frauen auch gegenwärtig noch abgehalten.

Die Sammlung Schienerl enthält einen umfangreichen Bestand von Schmuckstücken mit Amulettcharakter, die neben Kleidung, Musikinstrumenten etc. zum umfangreichen Inventar jeder Zâr-Zeremonie zählen.

Verkaufsschlager Souvenirs: Talismane und Glücksbringer als Erinnerung an die Fremde

Ägypten zählt neben Marokko zu den bevorzugten Reisezielen Nordafrikas. Entsprechende Bedeutung kommt der Produktion und dem Verkauf von Souvenirs zu. Aus der Sammlung Schienerl wird ein kleiner Bestandteil an Souvenirs gezeigt, die überwiegend als Nachahmungen von Formen und Motiven altägyptischer Amulette aufzufassen sind.


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