Sammlungen und Forschung

Schätze im Verborgenen

Das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg beherbergt umfangreiche Sammlungen aus den Bereichen Naturkunde, Archäologie und Ethnologie.


Naturkunde

Wertvolle Objekte aus den Bereichen Zoologie und Botanik gelangten seit der Gründung des Museums in unser Haus. Zusätzlich mit Exponaten der Mineralogie und der Paläontologie bilden sie den Grundstock für eine vielfältige Sammlung mit zum Teil einzigartigen Stücken. Die vogelkundlichen Objekte stellen dabei einen besonderen Schatz dar, denn Exemplare aus aller Welt bieten mit hervorragenden Präparaten einen faszinierenden Blick in die Vogelwelt.

Umfangreiche Insektensammlungen bilden die Grundlage neuer Forschungen und bereichern das Feld der Naturkunde in unserem Haus. Insbesondere die Hautflügler-Sammlung von H. Weiffenbach, die Käfersammlung von G. Kerstens sowie die Kleinschmetterlinge von O. Tiedemann zeichenen sich durch ihre überregionale Bedeutung aus.

Im Aufbau befindet sich ein Arbeitsschwerpunkt der Wirbeltierkunde, der kontinuierlich verfolgt wird. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich - entsprechend der Leitbilder unseres Hauses – auf die Vögel und Säugetiere der Region zwischen Weser und Ems. Dazu zählen auch die Haustiere der Region.

Das Herbar umfasst zurzeit ca. 35.000 Belege. In erster Linie handelt es sich dabei um Floren verschiedener Sammler, darunter auch eine sehr bedeutende Flechtensammlung. Außerdem wurden zahlreiche Fossilien, Gesteine und Mineralien in unsere Magazine aufgenommen und können je nach Ausstellungsthema besichtigt werden. Von großer Bedeutung sind die bodenkundlichen Lackprofile der Sammlung Tüxen, an denen sich unterschiedliche Bodenstrukturen und charakteristische Merkmale anschaulich erklären lassen.


Völkerkunde

1844 erhielt das Museum 137 ethnografische Objekte, die von dem russischen Marineoffizier Ivan Antonovitsch Kuprianov zwischen 1836 und 1840 auf einer Reise im Auftrag des Zaren gesammelt worden waren. Die Objekte stammen vorwiegend aus „Russisch-Amerika“ und den Aleuten. Sie waren zugleich Grundstock und Ausgangslage der ethnografischen Sammlungen, die in der Folgezeit aus allen Kontinenten zusammenkamen. Zu den Sammlern aus Afrika zählen die Brüder Langheld (vorwiegend Waffen, Haushaltsgegenstände, Werkzeuge und Textilien, insgesamt über 1200 Objekte); aus Ozeanien Friedrich Graf von Baudissin (rund 100 diverse Ethnografika) und Richard Deeken (vorwiegend Kleidungsstücke, Alltagsgegenstände und Schmuck).

Die Asien-Sammlung umfasst sowohl Indien, China und Tibet als auch Afghanistan und Syrien. Erwähnenswert ist hier die Sammlung Siegfried Sommerfeld, die 1981 ins Landesmuseum gelangte (Figurengruppen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts von Tieren, Menschen und Gottheiten aus Elfenbein, Holz und Metall). Ferner verfügt das Museum über eine umfangreiche Überlassung der Sammler Roger Meyer und Gerd Bruns aus Chile und Peru der 1970er Jahre. Die Sammlung wurde von der Stiftung Niedersachsen 2001 erworben und dem Museum zum Zwecke der wissenschaftlichen Bearbeitung und Ausstellung als Leihgabe überantwortet. Die über 2000 Exponate umspannen den Zeitraum von 400 v. Chr. bis ca. 1450 n. Chr. und spiegeln vorwiegend das alltägliche Leben und den Einsatz ritueller Objekte wider; aus dem Norden Chiles sind es vorwiegend Grabbeigaben. Den jüngsten Großzuwachs erhielt das Völkerkundliche Magazin 2003 mit der Sammlung des Ehepaars Schienerl. Jutta und Peter Schienerl hatten vorwiegend in Ägypten, Syrien, Türkei und Afghanistan Schmuck und Alltagsgegenstände zusammengetragen, insgesamt über 1500 Objekte von herausragender Qualität.


Archäologie

Ein großer Teil der umfangreichen archäologischen Sammlung stammt aus dem ehemaligen Herzogtum Oldenburg oder ist auf die Grabungstätigkeiten des ehemaligen Regierungsbezirkes Weser-Ems zurückzuführen. Die Objekte zeigen ein eindrucksvolles Bild der Ur- und Frühgeschichte Nordwestdeutschlands von der Steinzeit bis ins Mittelalter und sind nicht selten Anhaltspunkt für neueste Forschungen und Fragestellungen.

Einen Ausschnitt aus allen Zeithorizonten der Vergangenheit erhalten Sie über die gezielt ausgewählten Exponate in den Dauerausstellungen.

Einen Schwerpunkt bildet die Moorarchäologie mit ihren überregional bedeutenden Funden. Der technische und wissenschaftliche Fortschritt der letzten Jahre eröffnete vor allem für die Erforschung der Moorleichen völlig neue Möglichkeiten. Durch die Anwendung modernster medizinischer und technischer Methoden gelang etwa die virtuelle Gesichtsrekonstruktion für den „Mann von Husbäke“. Das hierbei entstandene Bild kann zwar keine fotografische Genauigkeit für sich beanspruchen, vermittelt aber eine Vorstellung seines ursprünglichen Aussehens. Neben der ungewöhnlich großen Zahl von Moorleichen, finden sich Bohlenwege, Bestandteile urgeschichtlicher Wagen, die berühmten Figuren aus dem Wittemoor sowie eine Vielzahl weiterer organischer Fragmente wie Textilien oder Speisereste in unseren Sammlungen.

Der archäologische Fundreichtum bietet die Grundlage für die Rekonstruktion weitreichender Kulturkontakte in Nordwest-
deutschland. Bemerkenswerte Objekte aus der Römischen Kaiserzeit und dem Frühen Mittelalter lassen auf langlebige Beziehungen mit dem Römischen Reich schließen. Importgegenstände wie Glas, Bronzekessel oder Schmuckfibeln,
die bereits in der Antike ihren Weg in den Norden gefunden haben, belegen den Reiz des Fremden.

An Aktionstagen und bei Mitmach-Veranstaltungen können unsere Besucher hautnah in die Vergangenheit eintauchen: beim Töpfern nach neolithischen Vorbildern, beim Brotbacken wie in der Steinzeit oder auch bei der Herstellung von Amuletten. Je nach dem Schwerpunkt der Veranstaltung ist für Groß und Klein etwas dabei. Schauen Sie doch einmal in das aktuelle Veranstaltungsprogramm oder das museumspädagogische Angebot für Kinder und Erwachsene.