Selbstverständnis und Geschichte

Zwischen Tradition und neuen Wegen

Wie viele der Museen, hat auch das Landesmuseum Natur und Mensch eine wechselvolle Geschichte: 1836 vom Großherzog Paul Friedrich August gegründet, bezieht es erst nach mehreren Umzügen 1879 den jetzigen Standort in der Straße „Damm“. Mit den Ortswechseln gehen auch thematische Ergänzungen einher, denn anfangs nur als naturhistorische Sammlung begonnen, kommt es sehr bald zum Aufbau einer ethnologischen Sammlung, später auch einer „Altertümersammlung“. Folgerichtig wird das vormals „Naturhistorische Museum“ 1938 umbenannt in „Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Oldenburg i. O.“, und nachdem 1947 das Land Niedersachsen in die Trägerschaft des Museums eingetreten ist, in „Staatliches Museum für Naturkunde und Vorgeschichte“. Seinen heutigen Namen „Landesmuseum für Natur und Mensch“ trägt das Haus seit dem Jahr 2000.

Mit den Jahren und den Namenswechseln ändern sich natürlich auch Personen, Inhalte und das Verständnis der musealen Aufgabe: Das herzogliche Naturalienkabinett war von Beginn an der Öffentlichkeit zugänglich und den Großherzoglichen Oberkammerherren von Rennenkampff, von Alten und Stab lagen das gestiegene Repräsentationsbedürfnis gleichermaßen am Herzen wie die Volksbildung. Aber erst nach dem Umzug 1879 wird mit Carl Friedrich Wiepken ein Volksschullehrer Museumsdirektor. Er war schon seit 1837 Kustos am Museum und verstand seine Aufgabe in der naturwissenschaftlichen Heimatforschung und Erfassung der heimischen Tierwelt. In der Folge musste Johannes Martin die ersten Magazine einrichten, da nun nicht mehr alle Sammlungen in den Ausstellungen Platz fanden. Unter den Direktoren Hugo von Buttel-Reepen, Karl Michaelsen und vor allem Wolfgang Hartung öffnet sich das Museum immer stärker der Bevölkerung, führt eigene Grabungen durch und wird zum Treffpunkt unterschiedlicher Fachtagungen. Karl Otto Meyer setzt ab 1972, Mamoun Fansa ab 1994 Akzente in der interdisziplinären Umsetzung von Themen in den Dauerausstellungen, zuletzt auch gemeinsam mit künstlerischen Gestaltern.

Die kommenden Jahre werden im Bereich der Gesellschaft und damit auch der Museen bestimmt sein durch den bekannten demografischen Wandel und eine zunehmende Teilhabe aller am kulturellen Geschehen. Je eher sich die Museen auf diese Herausforderungen einstellen können, desto erfolgreicher wird ihre Wahrnehmung in der Gesellschaft sein. Dazu zählt nicht nur eine breitere Öffnung des Museums in seinen Angeboten, sondern auch der Anspruch des Museums, ein Anlaufort für fachliche Anfragen und Wünsche aus der Bevölkerung zu sein. Da Museen in der Glaubwürdigkeitsskala nur mit Universitäten konkurrieren, aber viel niedrigschwelliger sind, wird das Landesmuseum Natur und Mensch die Chance ergreifen, sich zum Kompetenzzentrum der Region zu entwickeln.