Nachruf



Mamoun Fansa
*27. August 1946 † 10. April 2026
Mit großer Betroffenheit hörten wir vom Tod unseres ehemaligen Direktors Prof. Dr. Mamoun Fansa. Er wurde am 27. August 1946 in Aleppo, Syrien geboren und erreichte 1967 Deutschland. Nach dem Studium an der Fachhochschule für Kunst und Design in Hannover, Fachbereich Angewandte Malerei, mit Diplom-Abschluss, studierte er Vor- und Frühgeschichte in Hannover und Göttingen. Dieses Studium schloss er 1976 als Magister ab. 1979 wurde er an der Uni Göttingen mit einer Arbeit über die Keramik der Trichterbecherkultur aus den Megalith- und Flachgräbern des oldenburgischen Raumes promoviert.
Nach dem Studium war er Mitarbeiter am Institut für Denkmalpflege in Hannover, wo er sich besonders für Siedlungs- und Bestattungsplätze der Jungsteinzeit interessierte. 1987 schließlich wurde er Abteilungsleiter der Archäologie des Landesmuseums Natur und Mensch Oldenburg und von 1995 bis 2011 Direktor des Museums.
Zahlreiche erfolgreiche Ausstellungen konnten in seiner Oldenburger Museumszeit erarbeitet werden, die stark von seinem gestalterischen Geschick geprägt waren.
Die von ihm und einem Künstler-Trio neu konzipierte Dauerausstellung, deren erster Teil zum Moor 1999 eröffnet wurde und 2006 mit der Küstenregion fertiggestellt wurde, ist bis heute einzigartig und begeistert nahezu unverändert immer noch Besuchende aller Altersgruppen. Ziel der Umgestaltung war eine intensive Verzahnung der Sammlungsschwerpunkte in Forschung und Ausstellung. Interdisziplinarität als Auftrag wurde bereits ab 1994 formuliert und war schon 1880 in der ersten Ausstellung sichtbar. Charakteristisch für Fansas Handschrift ist die Kombination von Objekt, Information und künstlerischer Präsentation.
Besonders die Umbenennung des Landesmuseums von „Staatliches Museum für Naturkunde und Vorgeschichte” in „Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg“ (heute kurz: Natur und Mensch) zeugt von seiner Fähigkeit, Themen und Dinge auf den Punkt zu bringen. Die Gestaltungsidee der Dauerausstellung spiegelt sich in dem neuen Namen sehr gut wider. Gerade heute ist der Name des Museums Programm. Für alle ist nachvollziehbar, dass hier alle aktuellen wichtigen gesellschaftlichen Themen behandelt werden. Die Verbindung von naturkundlichen und archäologischen Exponaten in einer szenografischen Darstellung in Zusammenarbeit mit Künstlern war zu seiner Zeit ungewöhnlich und visionär.
Er erklärte es selbst mit dem Goethe Zitat: „Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen, und haben sich, eh´ man es denkt, gefunden.” (Natur und Kunst, Johann Wolfgang von Goethe, 1800).
Die Menschen mussten sich erst daran gewöhnen, nicht mehr in Räumen voller Vitrinen und damit befüllten Exponaten zu stehen, sondern sich dem Thema der Interaktion des Menschen mit und in der Natur selbständig zu nähern. Auch heute noch, im Jahr 2026, hat die Dauerausstellung nichts von ihrer Aktualität verloren. Durch die künstlerische Gestaltung und das Mittel der Szenografie ist sie immer noch so zeitlos und aktuell, dass wir im Museum nur wenige Aktualisierungen (haupts. der Medienguide) vorgenommen haben. Trotz ihres Alters ermöglicht die Dauerausstellung uns, gesellschaftlich relevante Themen von Klimawandel, Meeresspiegelanstieg und Biodiversität zu vermitteln, da sie in der Ausstellung bereits alle vertreten sind.
Mehr als 120 Ausstellungskataloge und Bände der Schriftenreihe des Museums belegen die Qualität der Sonderausstellungen, die zu Mamoun Fansas Zeiten gezeigt wurden.
Hervorzuheben ist eine Ausstellung zur Experimentellen Archäologie, die 1990 erarbeitet wurde und anschließend in 30 europäischen Museen zu sehen war. Darauf ist die Vereinigung zur Experimentellen Archäologie zurückzuführen, ein Verein den Mamoun Fansa gegründet hatte mit jährlich stattfindenden Tagungen. 2002 entstand daraus die Europäische Vereinigung (kurz EXAR), deren Vorsitzender bis 2008 Mamoun Fansa war.
Mit einer Ausstellungsreihe zum „Orient-Okzident-Dialog“, die die letzten Jahre seiner Zeit in Oldenburg geprägt haben, gelang es ihm schließlich das Museum nicht nur deutschlandweit, sondern international zu etablieren. Einige Auszeichnungen die das Museum und auch Mamoun Fansa persönlich erhielten, belegen die hervorragende Arbeit.
Wir haben mit Mamoun Fansa einen kreativen Menschen verloren, der sich immer für Verständigung, Frieden und die Darstellung der kulturellen Verflechtungen eingesetzt hat und der auch tatkräftig für seine Ideen eintrat. Er war entschlossen, zusammen mit den Freunden von Aleppo seine Heimatstadt wieder aufzubauen, und das kulturelle Erbe sichtbar zu machen. Er hat uns eine wunderbare Ausstellung hinterlassen, die bereits von knapp 30 Jahren so aktuell war, dass sie heute noch wirkt.
Ursula Warnke und Frank Both



