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Forschung

Unsere aktuellen Forschungsprojekte befassen sich intensiv mit unserer Sammlung. Wichtige Schlagworte sind hier die Digitalisierung, Verwertung, Provenienzforschung und die Untersuchung kolonialer Kontexte. Darüber hinaus sind wir an verschiedenen Projekten beteiligt, die sich mit der Wissensvermittlung, ihren Strukturen und der Zugänglichkeit unserer Angebote befassen. Themen sind hier Teilhabe, MINT-Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung. In Citizen Science Projekte unterstützen uns Bürger*innen mit ihrem individuellen Engagement bei der Beantwortung wissenschaftlicher Fragestellungen.  

Aktuelle Drittmittelprojekte

ProSaDi

Provenienz- und Sammlungsforschung Digital

Laufzeit: 01.11.2024 – 31.10.2028
Beteiligte am Natur und Mensch: Dietje Ziemer (Wissenschaftliche Mitarbeit, seit 15.08.2025), Armelle Devillez (Objekthandling), Dr. Christina Barilaro (Projektleitung)
Förderung: Förderlinie „Wissenschaftsräume“ aus dem Programm zukunft.niedersachsen der VolkswagenStiftung und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK)

Forschungsverbund und Projektpartner: Beteiligt sind die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, die Jade Hochschule, die Leibniz Universität Hannover, die Leuphana Universität Lüneburg sowie das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, das Niedersächsische Netzwerk Provenienzforschung am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover und das Deutsche Schifffahrtsmuseum Bremerhaven.

Der Wissenschaftsraum ProSaDi ist ein kooperatives Forschungsprojekt der Geschichts-, Kultur-, Medien- sowie Ingenieur- und Geoinformationswissenschaften. Im Zentrum steht die Entwicklung neuer Methoden zur digital gestützten Erforschung und Präsentation von Sammlungsgut, welches aus unterschiedlichen Gründen – Kolonialismus, Krieg, Raub, Verfolgung, Marktdynamiken – aus den ursprünglichen Herkunftskontexten herausgelöst wurde und in deutschen Museen bewahrt, in Datenbanken erfasst und in Ausstellungen präsentiert wird.

Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf Kauri-Objekten aus der ethnologischen und naturkundlichen Sammlung des Landesmuseums Natur und Mensch Oldenburg. Die Provenienz- und Sammlungsgeschichte dieser Objekte wird durch historische Kontextualisierung, die Analyse der vorhandenen Dokumentation sowie eine systematische Erfassung der Bestände untersucht und bildet die Grundlage für weiterführende Forschungsarbeiten. Darauf aufbauend werden die Kaurischnecken in Zusammenarbeit mit den Verbundpartnern kulturhistorisch analysiert, gemeinsam mit Herkunftsgesellschaften postkolonial reflektiert und mithilfe von KI-Methoden semantisch beschrieben und visualisiert.

Hier gehts zur Projektseite:  https://prosadi.de/ (Externer Link)

DigiVerS

Digitale Verantwortung und Sichtbarkeit: Die niedersächsischen Landesmuseen vernetzen Wissenschaft und Gesellschaft

Laufzeit: 2026-2027
Beteiligte am Natur und Mensch: Dr. Ivonne Kaiser
Förderung: Programm zukunft.niedersachsen, dem gemeinsamen Wissenschaftsförderprogramm des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK) und der VolkswagenStiftung

Das Forschungsprojekt hat das Ziel, Vermittlungsmodelle und rechtliche sowie technische Lösungen für ein zeitgemäßes Management musealer Forschungsdaten zu finden. Strukturell wird dies durch die Etablierung eines Inventarisierungs- bzw. Katalogisierungsverbundes erreicht, dessen Betriebsmodell in Kooperation mit Verbundpartnern erarbeitet werden soll. Im Fokus steht die Überführung von analogen Methodiken des Forschungsdatenmanagements in ein digitales und zeitgemäßes Management musealer Forschungsdaten.

In einem erstmals landesweit koordinierten Verbund entwickeln die Häuser gemeinsam Standards, Strategien und Werkzeuge für das digitale Forschungsdatenmanagement – im engen Austausch mit wissenschaftlichen Partnern und Fachinstitutionen. Koordiniert wird das Projekt durch eine neu eingerichtete zentrale Projektkoordination, die die museenübergreifende Zusammenarbeit strukturiert und in die nationale Landschaft der Landesinitiative Forschungsdatenmanagement Niedersachen einbindet.

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Arbeit von Digitalkurator*innen, die sowohl in der Verbundstruktur als auch direkt in den sechs beteiligten Landesmuseen agieren. Sie verbinden die museale Praxis mit übergeordneten Forschungs- und Infrastrukturfragen – und tragen maßgeblich zur Entwicklung digitaler Strategien, Datenmodellen und Vermittlungsformaten bei.

DiViAS

Forschungsverbund „Digitalisierung, Visualisierung und Analyse von Sammlungsgut“ zusammen mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und er Jade Hochschule

Laufzeit: 01.11.2023 - 31.10.2026
Beteiligte am Natur und Mensch: Dr. Ivonne Kaiser (bis 31.01.2026), Jennifer Tadge, M.A., Dr. Ursula Warnke
Förderung: Programm "zukunft.niedersachsen" der VolkswagenStiftung

 

Wie lässt sich das sogenannte kulturelle Erbe der Menschheit – etwa historische Objekte und Dokumente in Museen und Archiven – mithilfe digitaler Technologien bewahren, unvoreingenommen deuten und noch breiter zugänglich machen? Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt des Instituts für Geschichte der Universität und des dort koordinierten Akademienprojekts „Prize Papers“, dem Landesmuseum Natur und Mensch und dem Institut für Angewandte Photogrammetrie und Geoinformatik der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth. Weitere Partner sind das Institut für Kartographie und Geoinformatik der Leibniz Universität Hannover sowie die Bibliotheksverbundzentrale VZG in Göttingen, hinzu kommen assoziierte Forschende aus dem In- und Ausland.

Das Projekt verbindet systematisch die Expertise aus Museums-, Geschichts- und  Kulturwissenschaften mit derjenigen aus Technik und Informatik – etwa in puncto Künstliche Intelligenz (KI), Datenanalyse, Geoinformatik und dreidimensionaler Messtechnik. Es sollen neue digital gestützte Verfahren zum Erfassen und Analysieren von Sammlungsgut entwickelt, innovativ miteinander verbunden und in Form eines digitalen „Werkzeugkastens“ künftig auch für andere kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen verfügbar gemacht werden. Den Ausgangspunkt des Projekts bilden die großen Sammlungen und archivalischen Überlieferungen des Natur und Mensch einerseits und andererseits der „Prize Papers“ im Londoner Nationalarchiv. Beide Bestände entstanden im Kontext von europäischer Expansion und Kolonialismus; hier soll der Verbund DiViAS einen Beitrag zur Provenienzforschung leisten, also der kolonialen Herkunft von Sammlungsgütern auf den Grund gehen. Der Forschungsverbund macht die Digitalisierung mit ihren Strategien und Technologien im Sinne einer ‚Critical Digital Heritage‘ selbst zum Thema und begreift diese als Prozess einer digitalen Sammlungstransformation. Weitere assoziierte Forschende sind tätig am Canadian Museum of History in Ottawa (Kanada), der Université de Dschang (Kamerun) sowie der Universität Lüneburg.

Den Kern des Projekts bilden zwei miteinander verschränkte Fallstudien. Eine davon soll die „Bewegung in Raum und Zeit“ von historischen Gegenständen nachvollziehen und digital abbilden, und zwar zunächst anhand von Schiffsrouten, die sich in London archivierten Logbüchern entnehmen lassen. Die andere Fallstudie befasst sich mit der „Materialität in Raum und Zeit“, also besonderen Eigenschaften, der Herkunft und der Veränderung des Zustands von historischen Objekten etwa aus dem Landesmuseum Natur und Mensch. Zugleich zielen die Studien darauf ab, Methoden und Technologien der Datenerfassung zu verfeinern.

Aus dem Forschungsverbund sollen – neben den Werkzeugen für eine zukunftsweisende Digitalisierung des kulturellen Erbes – unter anderem auch Konzepte für interaktive Ausstellungen sowie für Citizen Science Projekte hervorgehen, also Projekte, die Bürger*innen an der Forschung beteiligen.

Hier gehts zur Projektseite: https://divias.de (Externer Link)

Klimaoasen Oldenburg

Schlossgarten und Eversten Holz

Laufzeit: 01.01.2022 - 31.12.2025
Beteiligte am Natur und Mensch: Saskia Benthack, Steffen Pilney (ausgeschieden), Caroline Hoops
Förderung: Programm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Eines der umfangreichsten Projekte des Landesmuseums Natur und Mensch startete 2022 nach langer Vorbereitung: Mit „Klimaoasen Oldenburg: Schlossgarten und Eversten Holz“ werden die beiden Liegenschaften, die zum Betrieb Niedersächsische Landesmuseen Oldenburg gehören, fit für den Klimawandel gemacht. Dafür kooperiert das Landesmuseum Natur und Mensch mit der Stadt Oldenburg, die als Kommune den Antrag für die Förderung im Programm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gestellt hat. Die Fördersumme liegt bei 4,5 Millionen Euro, 500.000 Euro kommen als Eigenbeteiligung der Stadt Oldenburg hinzu. Mit im Boot ist auch die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, welche die baulichen Vorhaben sowie umweltpädagogische Themen durch wissenschaftliche Forschung begleitet.Verschiedene Klimaanpassungsmaßnahmen sollen das Stadtgrün erhalten und es widerstandsfähiger gegen den Klimawandel machen. Die Bereiche Biodiversität & Lebensraum, Wasser & Boden, CO2 & Stadtklima sowie Nutzung & Erholung stehen dabei im Fokus des Projekts.

Neben baulichen Anpassungsmaßnahmen sind auch interdisziplinäre Forschung, Partizipation und Umweltbildung wichtiger Bestandteil des Projekts. Das Kooperationsprojekt vereint eine umweltwissenschaftliche Begleitforschung der Carl von Ossietzky Universität mit forschungsbasierten Veranstaltungsformaten unter dem Begriff der Partizipation. Der partizipative Ansatz versteht sich sowohl als impulsgebender Bestandteil hinsichtlich Ideen zur Bewältigung eines symbiotischen Miteinanders zwischen Natur und Mensch in Zeiten des Klimawandels als auch als Aufklärungsinstrument und Sensibilisierung für jene Prozesse.

Seit 2022 wurde am Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Universität Oldenburg die „Milieustudie Eversten Holz 2022“ als wissenschaftliche Begleitforschung von Klimaoasen Oldenburg durchgeführt (https://klimaoasen-oldenburg.de/de/blog/milieustudie-eversten-holz). Der Fokus lag dabei auf den Schwerpunkten Boden, Wasser, Flora, Fauna und Nutzung. Die Studie vergleicht einige Ergebnisse der Milieustudie von 2010 mit heute, liefert aber auch neue Daten und Erkenntnisse. Dadurch erfuhr das Eversten Holz eine naturschutzfachliche Bewertung, Zeichen und Folgen des Klimawandels wurden benannt. Jene Daten bilden die inhaltliche Grundlage geplanter Hands-On Stationen.

Zudem tritt Klimaoasen Oldenburg seit Beginn öffentlich mit Oldenburgs Bürger*innen in Austausch, um zu erfahren, was Schlossgarten und Eversten Holz für sie bedeuten und welche Nutzungsansprüche sie an die beiden Gartendenkmäler stellen. Auf Basis dieses Begegnungsprozesses, wurden seither forschungsbasierte Veranstaltungsformate und eine Umfrage entwickelt und durchgeführt, um folgenden übergreifenden Forschungsfragen nachzugehen:

  • Wie kann der Status „attraktiver Erholungsort“ innerstädtischer Grünanlagen gesteigert werden und dabei das Verständnis für Natur-(schutz) und Klimaprozesse vergrößert werden?
  • Wie lassen sich menschliche und ökologische Bedürfnisse vor Ort innovativ und nachhaltig miteinander vereinen, damit eine reflektierte und interessierte Parknutzung entsteht?

Methodisch geschieht dies durch partizipative Beteiligungsformate unter Diversity Aspekten, Wissenschaftskommunikation, Citizen Science Aufrufe, co-kreative Workshops und Laborformate, Führungen, Fokusrunden und anhand einer qualitativen Umfrage zu Nutzungs- und Erholungswünschen. Das Forschungsdesign basiert dabei auf Methoden der empirischen Kultur- und Sozialforschung auf Basis der Grounded Theory.
Weitere Infos hierzu im Blogbeitrag auf der Projektseite (Externer Link)

Die Veranstaltungen und Umfragen werden kontinuierlich evaluiert und Nutzungs- und Aufmerksamkeitsthemen sowie Probleme der Orte analysiert. Durch generierte Daten werden Nutzungswünsche sowie produktive Herangehensweisen ermittelt, welche gemeinsam mit den umweltwissenschaftlichen Forschungsdaten der Universität Oldenburg die Basis für geplante Hands-On Stationen bilden sollen. Hierin wird fokussiert, menschliche und ökologische Bedürfnisse sowohl inhaltlich als auch konzeptionell zusammenzubringen und eine produktive Atmosphäre des Interesses und Umdenkens zu erschaffen.

Ziel der Stationen ist es, die Projektergebnisse langfristig zu kommunizieren und dabei Wünsche der Bevölkerung hinsichtlich der Erholungsentwicklung jener Orte einzubeziehen. Das Hinterlassen von Wissensinputs an verschiedenen Stellen gilt als wichtiger Projekt-Output, damit die Fähigkeiten und die Bedürfnisse der Natur langfristig mehr Rückendeckung und Aufmerksamkeit erhalten. Projektthemen und Klimawissen sollen in Verbindung mit Erholungsbedürfnissen vermittelt werden und für den Wert von Stadtgrün sensibilisieren.

In dem Projekt soll modellhaft gezeigt werden, wie innerhalb zweier vollkommen unterschiedlicher Grünanlagen Maßnahmen konzipiert und umgesetzt werden können, um diese Ziele zu erreichen. Der Ansatz des Projektes adressiert neben baulicher Klimaanpassung auch die mentale Ebene der Menschen und fördert somit demokratische Fähigkeiten und produktive partizipative Prozesse innerhalb der Gesellschaft.

Weitere Einblicke auf der Projektseite (Externer Link)

Publikationen:

Benthack, S.; Hoops, C. (2024). Partizipation und Klimaanpassungsmaßnahmen im Projekt “Klimaoasen Oldenburg” – Zwischen baulicher und mentaler Klimaresilienz.Berichte aus dem Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg 04, 2023, S. 70-75.

Benthack, S.; Pilney, S. (2023). Schlossgarten und Eversten Holz werden klimafit! Projekt “Klimaoasen Oldenburg” startet durch. Berichte aus dem Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg 03, 2022, S. 52-56.

Benthack, S. (2023). Klimaoasen Oldenburg. Partizipation für mehr Verbindung zwischen Natur und Mensch. Tagungsband Inter.Aktion, experimenta gGmbH, 2023, S. 115-119.

Benthack, S. (2023). Das Projekt Klimaoasen am Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg. Deutscher Museumsbund, 8. März 2023, über: www.museumsbund.de/das-projekt-klimaoasen-am-landesmuseum-natur-und-mensch-in-oldenburg/ (Stand: 05.02.2023).

Benthack, S. (2022). Klimaoasen in Oldenburg: Kooperationsprojekt entwickelt Maßnahmen für mehr Klimaresilienz. OLround - Mitarbeitendenmagazin der Stadt Oldenburg, 04/2022, S. 11.

Wissenschaftliche Kooperationen

Sachsenforschung

Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg: „Sachsenforschung“ für Niedersachsen.

Die traditionsreiche „Sachsenforschung Niedersachsen“ ist nun am Niedersächsischen Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg angesiedelt. Dr. Annette Siegmüller übernimmt die Forschungen und untersucht die Lebenswirklichkeit der Menschen in dieser spannenden, von Umbrüchen geprägten Zeit, die noch heute im Namen unseres Bundeslandes so präsent ist. Im Mittelpunkt stehen dabei auch die Bestände des Museums, bei denen es sich genauso um seltene Schätze aus dem Besitz der Träger der Macht handelt, wie um die täglichen Gebrauchsgegenstände der Menschen. Die Untersuchung all dieser Aspekte erzählt die Geschichte der „alten Sachsen“.

War Niedersachsen schon immer das Land der Sachsen?

Diese Frage hatte für die heutigen Bewohner*innen in Niedersachsen schon lange eine große Bedeutung. Kann man aus dem Namen des Bundeslandes wirklich eine so lange Tradition ableiten und sind wir sind alle schon immer Sachsen gewesen? Die „alten Sachsen“ werden in historischen Schriftquellen seit dem 4./5. Jahrhundert sicher belegt erwähnt. Sie lebten im Nordseeküstenraum zwischen Rhein und Elbe bis in den Bereich der Mittelgebirge und interagierten mit verschiedenen anderen Gruppen. Mal geschah dies friedlich über Handel, Wanderbewegungen und Akkulturation, mal kam es zu Auseinandersetzungen. Heute sind diese „Sachsen“ uns historisch vor allem durch die „Sachsenkriege“ bekannt, die ab 772 von Karl dem Großen geführt wurden. Der lange und blutige Konflikt begann mit der Zerstörung des wichtigsten sächsischen Heiligtums der Irminsul und endete mit der Unterwerfung der Sachsen 804 und ihrer gewaltvollen Christianisierung. Doch die Niederlage führte nicht zur vollständigen Zerschlagung der Oberschicht. Und sie war nicht endgültig: Mit Heinrich I. gelangte 919 ein Sachse auf den Thron des ostfränkischen Reiches. Sein Sohn Otto wurde 962 in Rom schließlich vom Papst zum Kaiser gekrönt. Es gibt also schon lange eine Geschichte der Sachsen in Niedersachsen, beschrieben durch historische Ereignisse und fassbar durch einzelne Persönlichkeiten der sächsischen Elite, die wir aus den Quellen kennen. Die Lebenswirklichkeit der einfachen Bevölkerung kennen wir vor allem aus der archäologischen Forschung. In Ausgrabungen von Siedlungen und Gräbern aus dem ersten nachchristlichen Jahrtausend lässt sich Stück für Stück das Puzzle der Vergangenheit zusammensetzen. 

Niedersächsische Forschungen zu den frühgeschichtlichen Sachsen: eine Forschungstradition mit internationaler Ausstrahlung

Große Teile Niedersachsens gelten als Siedlungsgebiet der „alten Sachsen“. Ihre Erforschung hat deshalb eine besondere Tradition in Niedersachsen. 1949 wurde in Cuxhaven bei einem Kolloquium von Archäolog*innen die „Arbeitsgemeinschaft für Sachsenforschung“ gegründet, die sich seither jährlich trifft um sich über die Archäologie und Geschichte der kontinentalen Sachsen der Völkerwanderungszeit und des frühen Mittelalters sowie ihrer Nachbarvölker auszutauschen. Heute kommen im Rahmen des „Internationale Sachsensymposions“, das inzwischen als Fachverband seinen Sitz in Belgien hat, regelmäßig Spezialist*innen aus 11 Ländern zusammen und diskutieren neueste Ideen und Resultate von Untersuchungen und Ausgrabungen.

Dieser traditionsreiche Forschungsverband ging von Niedersachsen aus und dort werden die Ergebnisse dieser Treffen nach wie vor in der Publikationsreihe „Neue Studien zur Sachsenforschung“ veröffentlicht und international zugänglich gemacht. Auch in der Leitungsstruktur des Verbandes übernahm das Wissenschaftskollegium Niedersachsens immer wieder eine zentrale Rolle. Einer der Gründungsmitglieder war Albert Genrich (1912-1996). Er war von 1968-1986 Vorsitzender des „Internationalen Sachsensymposions“ und etablierte zugleich am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover bis zum Ende seiner Tätigkeit 1977 einen eigenständigen Bereich zur Erforschung der Archäologie des ersten Jahrtausends. Dieser inzwischen als „Sachsenforschung“ bekannte Forschungsbereich wurde im Anschluss von Hans-Jürgen Häßler (1939-2011) übernommen, der diese Position bis 2004 innehatte. Er war zugleich von 1996 bis 2002 auch Vorsitzender des „Internationalen Sachsensymposions“ und unterstrich so die traditionsreiche Verknüpfung beider Fachorgane. 2005 übernahm Babette Ludowici (1963-2024) die niedersächsische „Sachsenforschung“ am Landesmuseum Hannover und führte diese Tätigkeit ab 2017 am Braunschweigischen Landesmuseum fort. Ab 2022 hatte sie zudem bis zu ihrem Tod 2024 den Vorsitz des „Internationalen Sachsensymposions“ inne. Seit 2010 war sie zudem die Herausgeberin der Reihe „Neue Studien zur Sachsenforschung“. 2019 präsentierte Babette Ludowici in der von ihr kuratierten Landesausstellung „SAXONES – Das erste Jahrtausend in Niedersachsen“ in den Landesmuseen Hannover und Braunschweig eine moderne Perspektive auf die aktuellen Forschungen zu den „alten Sachsen“ und die Möglichkeiten der Verknüpfung von historischer Beschreibung und archäologischem Befund. Dabei standen historisch nachweisbare Persönlichkeiten genauso im Vordergrund, wie aus Grabkontexten bekannte Personen, die anhand der Forschungsergebnisse in ihrer Lebenswirklichkeit fassbar gemacht wurden.

Die Forschung geht weiter: Sachsenforschung am Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg

Nach dem Tod Babette Ludowicis wurde die „Sachsenforschung“ 2025 an Annette Siegmüller und an das Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg übergeben. Hier im Westen des Bundeslandes stehen neue Fragestellungen zu den „alten Sachsen“ im Vordergrund. Das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg hütet in seinen Magazinen das Fundmaterial verschiedenster wichtiger Ausgrabungsplätze, die für die Erforschung der Sachsen wichtig sind. Viele dieser Schätze für die Wissenschaft sind noch nicht veröffentlicht.  Die Region zwischen Ems und Weser war in der Frühgeschichte eine wichtige Drehscheibe zwischen den Kulturen. Hier traf die im archäologischen Fundmaterial erkennbare „sächsische Kulturgruppe“ auf den Nordseeküstenbereich und die hier ansässigen Bevölkerungen, die oft mit „Chauken“ oder „Friesen“ assoziiert werden. Das materielle Gut fließt erkennbar zusammen, Übergänge und Symbiosen entstehen im Verlauf der Völkerwanderungszeit. Grenzziehungen sind unscharf bis unmöglich. All diese gesellschaftlichen Prozesse mit ihren Auswirkungen auf Mobilität und Innovation innerhalb dieser wichtigen Kontaktzone sind nur in Ansätzen untersucht. Die Museumsbestände ermöglichen mittels modernster Untersuchungen, wie etwa aDNA-Analysen, neueste Erkenntnisse zur Lebenswirklichkeit der frühgeschichtlichen Menschen. Und immer neue Objekte durch die zahlreichen Ausgrabungen der Denkmalpflege kommen hinzu, all diese neuen Schätze werden im Landesmuseum Oldenburg gehütet. So ist es möglich kontinuierlich weitere Details zur Lebenswirklichkeit zusammenzutragen und die spannende der Geschichte „alten Sachsen“ ständig noch präziser zu erzählen.

Gleichzeitig steht der Küstenraum zusammen mit den großen Strömen Weser und Ems für einen großen Verkehrs- und Kontaktraum, der die Verbindungen nach Großbritannien, die Niederlande und den südlich angrenzenden westfälischen Raum öffnete. Das Meer eröffnete neue Wege: Wanderbewegungen nahmen hier genauso ihren Ausgang, wie die Überfälle „sächsischer“ Piraten. Der Austausch von Gütern und Ideen gleichermaßen verlief über die Wasserwege und die Straßen, der Naturraum und die Topographie entschied über wirtschaftliche Macht und Wohlstand. Seltene Schätze wurden genauso transportiert, wie einfache Lebensmittel. Brennpunkte des Austauschs waren dabei die Kreuzungspunkte der Verkehrssysteme. Die „alten Sachsen“ waren in diesem Netzwerk Drehscheibe und Akteur gleichermaßen. 

Die Publikation der Reihe „Neue Studien zur Sachsenforschung“ verbleibt am Braunschweigischen Landesmuseum. Die beiden archäologischen Landesmuseen in Braunschweig und Oldenburg werden die Inhalte der Bände gemeinsam betreuen und so ihre Zusammenarbeit durch die Sachsenforschung weiter verstärken.

Aktuelle Projekte

Die Gräberfelder Helle und Drantum: „Sächsische“ Bestattungsplätze in der Peripherie oder Kontaktzonen mit Brückenschlag an die Nordsee?

Wasserwege und Landwege als Mittel der Macht. Welche Rolle spielte die Kontrolle der Verkehrswege bei den Sachsenkriegen und der Christianisierung?

Insektenscanner

Aufbau und Erprobung eines Insektenscanners für die 3D Dokumentation von Insekten der Sammlung des Natur und Mensch uM. Zusammen mit der Jadehochschule IAPG

In Kooperation mit dem Institut für Angewandte Photogrammetrie und Geoinformatik (IAPG) der Jade Hochschule

Ziel ist der Aufbau und Betrieb des Scanners für die Digitalisierung des Typusmaterials des Natur und Mensch sowie der Aufbau einer Forschungsinfrastruktur des gesamten Typusmaterials des Natur und Mensch für biologische Forschung Dritter.

3-Wegestrategie

In Kooperatiion mit der Deutschen Digitalen Bibliothek und den Museen des PAESE Verbunds
Beteiligte am Natur und Mensch: Dr. Ivonne Kaiser

Ziel ist der Aufbau einer Forschungsinfrastruktur für Objekte aus kolonialen Kontexten.

Beteiligung an Forschungsprojekten Dritter

Sögel- Wohlde Schwerter (noch laufend): B.Cornelis, Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH

Angelsächsische Migration: Universität Jena

Publikation: Stephan Schiffels, U.Warnke, F. Both u.a. (96 Autoren), The Anglo-Saxon migration and the formation of the early English gene pool, Springer Nature, Heft 610, Berlin 2022

 

 

Abgeschlossene Projekte (unvollständig)

Laufzeit: 1.9.2019 – 31.8.2023, verlängert  bis 31.12.2026
Beteiligte am Natur und Mensch: Jenin Elena Abbas, Dr. Hendrikje Brüning (ausgeschieden), Tosca Friedrich
Förderung: Kulturstiftung des Bundes im Programm "360 °– Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft

Das 360°-Programm ist ein Strukturförderprogramm, das Migration und kulturelle Vielfalt als chancenreiche Zukunftsthemen in den Mittelpunkt stellt. Vor allem Städte zeichnen sich heute durch große Vielfalt aus. Kultureinrichtungen wie Museen, Theater und Bibliotheken können diese kulturelle Diversität sichtbar und erfahrbar machen. Dabei stellt die Kulturstiftung des Bundes für die Dauer von vier Jahren Mittel für eine volle bzw. zwei halbe Personalstellen durch die sogenannten Agentinnen sowie zusätzlich Projektmittel für unterstützende Aktivitäten bereit.

Ziel war, neue Zugänge und Teilhabe für Gruppen der Gesellschaft zu schaffen, die bislang noch nicht ausreichend erreicht wurden und die Vielfalt der Stadtgesellschaft in den geförderten Kultureinrichtungen abzubilden. Im Fokus steht die Erarbeitung von modellhaften Maßnahmen, die eine nachhaltige Verankerung von Diversität in den drei geförderten Bereichen „Personal, Programm und Publikum“ ermöglichen. Im Programm wurden neue Strategien kennengelernt und erprobt und neue Kooperationen mit städtischen Partnern entwickelt. Durch gemeinsame Arbeitsgruppen, Fortbildungen und externe Impulse ist Diversität in den Strukturen des Museums verankert und die Teamkultur weiterentwickelt. Dazu bereichern Honorar- und Besuchsservicekräfte an der Kasse mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen und Zuwanderungsgeschichten das Museumsteam. Interne Kommunikationsempfehlungen sichern seit 2024 eine vielfaltssensible, gendergerechte und rassismuskritische Sprache nach Innen und Außen. Das Programm förderte zudem die Mehrsprachigkeit der Angebote und Medien des Museums. Regelmäßige, transkulturelle Formate schaffen Begegnungsräume. Mit dem 2025 verabschiedeten ergänzenden Selbstverständnis ist Diversität dauerhaft in der Organisation verankert. Es erweitert die bestehenden Werte um eine klare diversitätsorientierte Ausrichtung. Mit neuen Formaten, Kooperationen und einer kritischeren Perspektive auf die eigenen Sammlungen wurden Räume gescha­ffen, in denen mehr Menschen ihre Erfahrungen einbringen können.

Laufzeit: 01.12.2020 - 30.11.2023 (1. Förderphase) & 01.12.2023 - 30.11.2025 (2. Förderphase)
Beteiligte am Natur und Mensch: Dr. Christina Barilaro, Jonas Tischer (01.02.2022-31.05.2022), Insa Pohlenga (01.07.2022-31.12.2022), Kirsten Preuss (seit 01.01.2023)
Förderung: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)

Im Verbundprojekt arbeiteten fünf Verbundpartner zusammen, die fest in der Region verankert sind und Expertise in der schulischen, außerschulischen und universitären Bildungsarbeit und -forschung in das Projekt einbringen. Gemeinsam mit über 90 Projektpartner*innen und Pat*innen bilden sie das MINT Cluster NordWest.

Ziel des Clusters ist es, Kinder und Jugendliche für MINT zu interessieren, sie bei der Entwicklung ihrer Problemlösefähigkeit zu fördern und eine zukunftsfähige, breite und vernetzte MINT-Bildung zu realisieren. Dies soll u. a. durch eine systematische Vernetzung der bereits bestehenden und neu zu entwickelnden MINT-Angebote der Region geschehen sowie durch die komplementäre, sich ergänzende Vernetzung der MINT-Akteure. Dabei fokussiert der Cluster auf niederschwellige Angebote und eine MINT-Breitenbildung für die 10-16-jährigen aller Schulformen; er richtet sich aber auch insbesondere an Mädchen sowie an besonders begabte und interessierte Kinder und Jugendliche.

Am Natur und Mensch wird ein pädagogisch-didaktisches Konzept mit Bezug zur Nutzung einer MINTmach Werkstatt im Cluster erarbeitet. In der MINTmach Werkstatt werden Möglichkeiten geschaffen, in Sinn stiftenden Kontexten zu lernen und mithilfe von Untersuchungen bzw. Experimenten und durch die Anwendung verschiedener Methoden Kompetenzen weiter auszubauen.

Der Cluster verfolgt das MINT-Bildungsziel, Schüler*innen bei der Entwicklung ihrer Problemlösefähigkeit zu fördern. Dabei werden im Cluster individualisierte Lernpfade entlang der MINT-Angebote eröffnet, indem Verknüpfungen zwischen den Angeboten so herausgearbeitet und an die Ziele des Clusters angepasst werden, dass interessegeleitetes und kompetenzorientiertes Weiterlernen im Cluster gelingt. Durch die komplementäre, sich ergänzende Vernetzung wird der Cluster von einem Netz der Angebote zu einem selbstreflexiven und lernenden Netz der Anbietenden, die sich gegenseitig fortbilden und Schüler*innen individuell beraten.

Publikationen:

Barilaro, C. (2022). AHOI_MINT. Der Nordwesten vernetzt sich zur Förderung der MINT-Bildung. Natur im Museum - Mitteilungen der Fachgruppe Naturwissenschaftliche Museen im Deutschen Museumsbund, (12), 55–59.

hier geht es zur Projektseite von AHOI_MINT (Externer Link)

Laufzeit: 2023 – 2025
Beteiligte am Natur und Mensch: Dr. Ivonne Kaiser, seit 2024 Dr. Gudrun Bucher
Förderung: Programm ProNiedersachsen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur

Die digitale Erfassung und Analyse der aus 137 Objekten bestehenden Sammlung des russischen Marineoffiziers Ivan Antonovich Kuprejanov (1794-1857) ist Gegenstand des Projekts. Die Sammlung enthält unterschiedlichste und zum Teil sehr seltene bis einzigartige Objekte aus besonderen Materialien von der Nordwestküste Amerikas. Die Sammlung entstand zwischen 1835 und 1840 und kam anschließend 1843/44 aufgrund dynastischer Beziehungen des Hauses Oldenburg zum russischen Zarenhof in das 1836 gegründete Großherzogliche „Naturalien-Cabinett“. Neben der Erfassung und Digitalisierung geht es auch darum, koloniale Zusammenhänge aufzudecken und quellenkritisch aufzuarbeiten. Mit den Herkunftsgesellschaften soll eine partnerschaftliche Zusammenarbeit begonnen werden, deren Ergebnisse sich in den Metadaten der digitalen Sammlung wiederfinden lassen.  

Zeitnah sollen die digitalen Daten veröffentlicht werden, sodass sie der Forschung, der interessierten Öffentlichkeit und den Herkunftsgesellschaften zur Verfügung stehen.

Laufzeit: 01.09.2024 – 31.10.2025
Beteiligte am Natur und Mensch: Jenin Elena Abbas
Förderung: Niedersächsische Staatskanzlei
 

Engage in dialogues

Laufzeit: 01.10.2025 – 15.11.2025
Beteiligte am Natur und Mensch: Jenin Elena Abbas
Förderung: Agentur für Internationale Museumskooperation gGmbH

Im Rahmen der Projekte hat das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg (NuM) eine langfristige Kooperation mit dem Sukuma Museum, Bujora Cultural Centre in Kisesa, Mwanza, Tansania (Sukuma Museum) durch einen Kooperationsvertrag begründet. Sowohl in den Beständen des Sukuma Museums als auch in der ethnologischen Sammlung des NuM spielen materielle Zeugnisse der Sukuma eine Rolle. Die Bestände sind Ausdruck einer shared heritage, da die Objekte im Oldenburger Landesmuseum durch einen Militärangehörigen während der Deutschen Kolonialzeit südlich des Viktoriasees erworben wurden, um von der Kultur der Sukuma Zeugnis ablegen zu können. Dieses geteilte Erbe diente als Ausgangspunkt, um gemeinsam miteinander und voneinander zu lernen und das Wissen über die Kultur der Sukuma zu erhalten und weiterzugeben.

Durch die Zusammenarbeit der Institutionen konnte das Sukuma Museum für die Bewahrung und Weitergabe der Sukuma Kultur in ihren materiellen und immateriellen Aspekten gestärkt werden. Das Landesmuseum Natur und Mensch konnte seine Arbeit mit und seine Vermittlung von Objekten aus kolonialen Kontexten neu bewerten und im Rahmen einer Sonderausstellung nach außen tragen und vermitteln. Der Austausch durch persönliche Besuche auf der jeweiligen Leitungsebene und von Museumsmitarbeitenden des Sukuma Museums lieferte Einblicke in die Bildungs- und Vermittlungsarbeit und musealen Prozesse in den beteiligten Institutionen. Durch den Austausch und durch das Heranziehen von externen Expert*innen in Workshops o.ä. konnten zudem praktisch umsetzbare Konzepte zur besseren Bewahrung und Vermittlung des reichhaltigen kulturellen Erbes der Sukuma entwickelt werden (Objekterhaltung, Ausstellung und Wissensvermittlung). Die drei Nachwuchsfachkräfte haben einen Beitrag zur Kontextualisierung der Sammlung am Landesmuseum Natur und Mensch geleistet, in dem sie sich über die Auswahl und Einordnung von Objekte sowie über Informationsbereitstellung an der Aktionsfläche „RE:vision“ beteiligten. Auf der Aktionsfläche konnten Besuchende Einblicke in die Zusammenarbeit erhalten.

Langfristig wirkt das Projekt durch den Beitrag zum Erhalt des materiellen Erbes der Sukuma und die Stärkung und Sichtbarmachung von Perspektiven des Globalen Südens. Dies soll insbesondere durch die vollständige Objektdokumentation im Sukuma Museum und Onlinestellung der Objektdaten, einschließlich der Fotos, kombiniert mit den Objektdatensätzen im Natur und Mensch stattfinden.

Laufzeit: 2022
Beteiligte am Natur und Mensch: Jennifer Tadge
Förderung: Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste (DZK)

Das Objekt wurde mit den Ergebnissen der Provenienzrecherche über folgende Datenbanken und Portale der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Digital Benin, https://digitalbenin.org/, Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten, https://www.cp3c.de/ und der Datenbank des Projekts PAESE (Provenienzforschung in außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen), https://www.postcolonial-provenance-research.com/.

Publikationen:
J. Tadge, Abschlussbericht, „Ein Ikegobo in Oldenburg“, hinterlegt beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, Zusammenfassung des Projekts in: J. Tadge (2023) Aus aktuellen Anlass: Provenienzforschung zu einem Objekt aus Benin, in: Berichte aus dem Landesmuseum Natur und Mensch, Oldenburg: Isensee, S. 71-72.

Siehe auch: https://kulturgutverluste.de/projekte/ein-ikegobo-oldenburg

Laufzeit: 01.12.2019 – 30.11.2021
Mitarbeitende am Natur und Mensch: Dr. Ivonne Kaiser
Förderung: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste

Inhalt: Das Projekt erforscht interdisziplinär, anthropologisch und historisch, koloniale Provenienzen bei menschlichen Schädeln außereuropäischer Herkunft. Neben der nicht-invasiven anthropologischen Bestimmung wird aus historischer Perspektive die Geschichte des Eingangs in die Sammlung anhand von Archivalien (Eingangs-/Inventar-/Rechnungsbücher, Korrespondenzen) ausgewertet. In der Sammlung sind 34 Schädel und zwei Gipsabgüsse bekannt. Letztere und 27 Schädel stammen aus kolonialen Erwerbungskontexten des 19. bzw. frühen 20. Jahrhunderts. Sechs weitere Schädel und ein Kindermumienschädel sind den 60er bis 80er Jahren des 20. Jahrhunderts in Südamerika bzw. Peru erworben worden. Bei ihnen stehen Fragen des Nachwirkens kolonialen Gedankenguts sowie daraus resultierende Praxis des Erwerbs im Fokus.

Ziele: Re-Biografisierung der Individuen, proaktives Zugehen auf Herkunftsgesellschaften, Repatriierung der Schädel, Sensibilisierung der Gesellschaft für das Thema Kolonialismus.
Outcome: Haltung zum Umgang mit menschlichen Überresten im Landesmuseum Natur und Mensch; Zugang zu Sammlerbiographien und Archivalien über die Website des DZK; wo möglich Repatriierung der Schädel an Herkunftsgesellschaften (in Arbeit)

Publikationen

Kaiser, I. (2020). Provenienz geklärt – was nun? Provenienzforschung in Oldenburg zu menschlichen Überresten außereuropäischer Herkunft, in: Provenienz & Forschung 4, Nr. 2, S. 15–19.

Kaiser, I. (2021). Digitalisierung menschlicher Überreste als besondere Herausforderung, in: Hahn, Hans-Peter, Lueb, Oliver, Müller, Katja, Noack, Karoline (Hg.), Digitalisierung ethnologischer Sammlungen, Perspektiven aus Theorie und Praxis, Bielefeld 2021, S. 199–213, https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5790-6/.

Kaiser, I. (2021). Digital – Darf man das? Grenzen bei der Digitalisierung menschlicher Überreste außereuropäischer Herkunft, in: Begerock, A.-M., Kumbier, E., Kipp, M. (Hg.), Aktuelle Herausforderungen bei der Provenienzforschung mit menschlichen Überresten aus kolonialen Kontexten – in Universitätssammlungen“, https://doi.org/10.18453/rosdok_id00003056, S. 70–79.

Kaiser, I. (2021). Provenance Clarified – What Now? Provenance Research in Oldenburg on Human Remains of Non-European Origin, in: Provenance & Research 2/2020, S. 15–19.

Kaiser, I. zusammen mit Begerock, A.-M., Lötzsch, U., Rangel, A., Schäfer, N., Tocha, V., Ulrich, N. (2021). Plaster Casts of Skulls in German Collections. Casting Light on a Neglected Collection Area, in: Acta Palaeomedica 2, S. 71-96.

Kaiser, I., Kupetz, M. (2022). Provenienzforschung zur anthropologischen Schädelsammlung im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Berichte aus dem Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg 2, 2020/2021, S. 63-68.

Siehe auch:
https://kulturgutverluste.de/projekte/provenienzforschung-zur-anthropologischen-schaedelsammlung-im-landesmuseum-natur-und
https://www.cp3c.de/umgang_mit_menschlichen_ueberresten/P%C3%A9rez_Ram%C3%ADrez-KSL_2023_Umfrage_zu_menschlichen_%C3%9Cberresten.pdf

Laufzeit: 01.09.2018 - 30.09.2021
Mitarbeitende am Natur und Mensch: Jennifer Tadge
Förderung: VolkswagenStiftung

Inhalt: Das PAESE-Projekt betreibt Grundlagenforschung zu den Erwerbswegen von ethnologischen Sammlungen in Niedersachsen und untersucht damit verbundene Forschungsfragen in den beteiligten Institutionen. Zentral sind weiterhin die Vernetzung und Kooperation mit VertreterInnen der jeweiligen Herkunftsgesellschaften, die Vernetzung der Provenienzforschung zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Niedersachsen und mit vergleichbaren Projekten im deutschsprachigen und europäischen Raum, Transparenz und Eröffnung eines Dialogs über die Herkunft der Objekte und den zukünftigen Umgang mit diesen und als Grundlage dafür eine Öffnung der beforschten Sammlungen für alle Interessierten.

Ziele: Das PAESE-Projekt am Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg untersucht die Herkunft – die Provenienz – und die Erwerbsumstände der ethnologischen Objekte aus kolonialen Kontexten, v.a. aus ehemaligen deutschen Kolonialgebieten, da sie den Hauptteil der kolonialen Kontexte bilden, aus denen die Objekte im Landesmuseum stammen. Daraus ergibt sich ein regionaler Schwerpunkt auf den heutigen Ländern Tansania, Kamerun und Papua-Neuguinea. Im Fokus steht dabei die Erforschung der kolonialen Sammlungsstrategien in militärischen Kontexten der Brüder Langheld, aus dem Gebiet des heutigen Tansania, von denen sich über 1000 Objekte im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg befinden. Damit verbunden ist die Frage, inwieweit sich aus den Erwerbssituationen Unrechtskontexte rekonstruieren lassen.

PAESE-Projektassistenz Bereich Digitalisierung:

Ein weiterer Meilenstein des PAESE-Projekts 2020 war die Vorbereitung, Dateneinspeisung und Veröffentlichung der Objektdatenbank auf der Homepage des Projekts. Gerade zur Unterstützung dieser Digitalisierungsarbeiten, unterstützte seit September Martin Henze das PAESE-Projekt. 

Link zur PAESE-Datenbank  https://www.postcolonial-provenance-research.com/ (Externer Link) 

Publikationen:

J. Tadge (2023) Same Provenances in Different Disciplines, in: Andratschke, C., Müller, L. und Lembke, K. (Hrsg.): Provenance Research on Collections from Colonial Contexts: Principles, Approaches, Challenges, Heidelberg: arthistoricum.net-ART-Books, 2023 (Veröffentlichungen des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen, Band 5). https://doi.org/10.11588/arthistoricum.1270, S. 258-270.

Externer Link zu MVNB Guetesiegel
Externer Link zu Charta der Vielfalt
Externer Link zum Landesmuseen Oldenburg
Externer Link zuR Website Niedersachsen