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Aktuelle Pressemitteilungen

Landesmuseum prüft Provenienz von Objekt aus dem Königreich Benin

Forschungsprojekt am Natur und Mensch soll Herkunft und Erwerbsumstände klären.

Oldenburg. Am 1. Juli dieses Jahres wurde eine bilaterale Vereinbarung zwischen Deutschland und Nigeria unterzeichnet, in welcher die Rückgabe von einigen geraubten Kulturgütern aus der Kolonialzeit – den Benin-Bronzen – beschlossen wurde. Auch das Landesmuseum Natur und Mensch setzt sich seit einigen Jahren aktiv mit seiner kolonialen Sammlungsgeschichte auseinander. Verschiedene Drittmittelprojekte haben sich bereits mit der Erforschung der Provenienz, also der Herkunft und Erwerbsumstände einzelner Sammlungsteile, beschäftigt. Seit Juni steht nun ein Objekt aus dem Königreich Benin im Mittelpunkt eines Forschungsvorhabens.

Die Benin-Bronzen, die Gegenstand der auf nationaler Ebene getroffenen bilateralen Vereinbarung sind, stammen aus einer britischen Strafexpedition von 1897, in welcher der Palast des damaligen Königreichs Benin, im heutigen Nigeria, geplündert wurde. Über tausend Objekte aus Bronze, Elfenbein und Holz aus dieser Plünderung gelangten später in Museen weltweit – und möglicherweise auch in das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg. 1962 erwarb das Museum einen hölzernen „Ikegobo“ bei einem deutschen Kunsthändler. Der „Ikegobo“ oder „Altar der Hand“ ist ein Objekt, welches die Leistungen und Erfolge einer Person darstellt. Wo der Kunsthändler das Objekt erwerben konnte und auf welchem Weg es in die Sammlung gelangte, wird in einem dreimonatigen Projekt zur Erforschung der Provenienz ermittelt. Finanziert wird das Projekt durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste.

„Es gibt starke Hinweise darauf, dass das Oldenburger Benin-Objekt ebenfalls aus der Plünderung des Königlichen Palastes von 1897 stammt“, sagt Provenienzforscherin Jennifer Tadge, die das Projekt durchführt. Weitere Ziele des Projekts liegen im Bereich Digitalisierung und Kooperation.

Direktorin Dr. Ursula Warnke kommuniziert klar die Haltung des Museums dazu: „Wir gehen bewusst sehr transparent mit dem Objekt und den Ergebnissen der Provenienzforschung um, auch um einen Dialog zu Umgang und Verbleib des Ikegobos anzustoßen“. 

Es ist geplant, den „Ikegobo“ nach Abschluss der Forschungsarbeiten zusammen mit den Ergebnissen in Oldenburg zu zeigen.

Weitere Informationen unter: www.naturundmensch.de

Presseabbildungen:

1_Der Oldenburger Ikegobo oder „Altar zur Hand“. Foto: Martin Henze / Landesmuseum Natur und Mensch
2_Der Oldenburger Ikegobo und Provenienzforscherin Jennifer Tadge. Foto: Landesmuseum Natur und Mensch 

Projekt Klimaoasen in Oldenburg gestartet

Partizipatives Groß-Projekt macht erste Schritte

 

Oldenburg. Im Projekt „Klimaoasen in Oldenburg: Schlossgarten und Eversten Holz“ kooperieren die Universität Oldenburg, das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg und die Stadt Oldenburg. Ziel ist es, die denkmalgeschützten Grünflächen zu klimaresilienten Orten weiterzuentwickeln. Zuwendungen in Höhe von 4,5 Millionen € erhält das beispiellose Projekt vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung aus dem „Parksanierungsprogramm“. Angelegt ist das Projekt auf drei Jahre. Erste Treffen der Lenkungsrunde haben stattgefunden. Durch die Bindung an öffentliche Vergaberegelungen befindet sich die Ausschreibung der konkreten Fachplanung zurzeit in einem notwendigen Strukturierungsprozess. Workshops für Interessierte aus der Stadtgesellschaft starten bereits im Mai auf dem Areal des neuen Oldenburger Kulturtreffpunkts Gleispark.

Der Schlossgarten und das Eversten Holz sind zentral gelegene Grünflächen mit einer überragenden Bedeutung für die Naherholung in der Stadt Oldenburg. Beide Liegenschaften sind eingetragene Denkmale und dem Betrieb Niedersächsische Landesmuseen Oldenburg zugeordnet. Das Kooperationsprojekt „Klimaoasen in Oldenburg: Schlossgarten und Eversten Holz“ vereint klimaresiliente Anpassungsmaßnahmen im Eversten Holz und im Schlossgarten, eine universitäre Begleitforschung durch verschiedene Milieustudien und partizipative Workshops mit dem Ziel nachhaltiger Bildung unter hoher Bürger:innenbeteiligung. Alle Maßnahmen dienen in ihrer Gesamtheit dem Klimaschutz, einer Förderung der Biodiversität und einer weitreichenden CO2-Minderung und -Speicherung an jenen Orten. Das Projekt hat Modellcharakter und soll zeigen, wie innerhalb zweier vollkommen unterschiedlicher Grünanlagen Maßnahmen konzipiert und umgesetzt werden können und wie sich dabei nachhaltige Bildungseffekte in der Bevölkerung erzielen lassen.

Mit baulichen Anpassungsmaßnahmen sollen Baumbestände, Lebensräume für Flora und Fauna sowie Bewässerungssysteme unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes ökologisch nachhaltig verbessert und klimaresilienter gestaltet werden. Zur Umsetzung der Vorhaben wird zeitnah gemäß der öffentlichen Vergaberegelungen eine Fachplanung ausgeschrieben. Die Lenkungsrunde, bestehend aus Vertreter:innen der Stadt, der Universität, des Museums und des Denkmalschutzes (siehe Abbildung), steuert diesen Prozess im Rahmen förderrechtlicher Kriterien und auf Basis des öffentlichen zugänglichen Zuwendungsantrags.

Zur Begleitforschung führt das Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg verschiedene Milieustudien zum Thema Biodiversität und Evolution der Pflanzen in Zusammenhang mit dem Klimawandel durch. Mit dem laufenden Sommersemester ist die Begleitstudie im Eversten Holz unter Leitung von Prof. Dr. Dirk Albach bereits gestartet. 

Im Bereich Bürger:innenbeteiligung unter Diversity-Aspekten strebt das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg an, durch Community-Arbeit, partizipative Workshops und Beteiligungsformate die Stadtbevölkerung in den Anpassungs-Prozess einzubeziehen und nachhaltige Bildung  zu klimabewussterem Handeln zu ermöglichen.

„Mit einem offenen Dialog und Beteiligungsmöglichkeiten wollen wir Handlungslust schaffen und bürgerliches Engagement erwecken.“, sagt Projektleiterin Saskia Benthack, „Wenn es uns gelingt, nachhaltiges gesellschaftliches Verständnis für umweltbedingte und menschliche Bedürfnisse herzustellen, können wir langfristige, über das Projekt hinausgehende Lösungen finden – und zwar solche, die gut sind für das Eversten Holz, den Schlossgarten und für die Bürger:innen Oldenburgs.“

Die erste Veranstaltungsreihe startet noch im Mai im neuen Gleispark in der Nähe des Oldenburger Bahnhofs: Ab dem 31. Mai lädt ein temporärer Dialograum mit grünen Erholungsinseln zu verschiedenen Inputs und Workshops ein. Unter @klimaoasen.oldenburg werden zeitnah weitere Informationen auf Instagram bekannt gegeben und der gemeinschaftliche Prozess fortlaufend begleitet.

Tag der Megalithkultur: Natur und Mensch kündigt neue App an

Großsteingrab im Fokus eines neuen Augmented-Reality-Angebots

 

Oldenburg. Den Europäischen Tag der Megalithkultur am Sonntag, 24. April, nimmt das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg zum Anlass, um die Pläne für eine neue App zu verkünden, die Ende des Jahres an den Start gehen soll: Mit „mega!lith 3D“ sollen die Besuchenden im Museum zukünftig die Nachbildung einer Großsteingrabkammer noch intensiver erleben, indem sie mittels Augmented Reality (dt. „erweiterte Realität“) das Original aus Kleinenkneten ins Museum holen.

In Kleinenkneten bei Wildeshausen stehen zwei Großsteingräber aus der Jungsteinzeit, die circa 3500 bis 2800 v. Chr. entstanden sind. Im Natur und Mensch steht als Teil der Ausstellung „Geest“ eine Nachbildung einer Grabkammer. Außerdem werden archäologische Sammlungsobjekte präsentiert, die bei den Großsteingräbern gefunden wurden. Das Museum war in den 1930er Jahren für die Erforschung der Grabanlagen verantwortlich.

„Mit ‚mega!lith 3D‘ steigern wir das Besuchserlebnis enorm. Wer die App nutzt, wird auf dem Bildschirm Hintergrundinformationen abrufen können, die mehr Kontext zur Megalithkultur liefern“, verspricht Steffen Pilney, Projektkoordinator am Natur und Mensch. Ein 3D-Modell des Originals wird in der App über die Nachbildung gelegt, sodass sich die Besuchenden virtuell in der Grabkammer, wie sie in Kleinenkneten vorzufinden ist, bewegen können. „Die Faszination, die von der Megalithkultur ausgeht, wird hier im Museum mit der Betrachtung in der erweiterten Realität noch deutlicher erkennbar“, so Pilney.

Die App wird aktuell von den Agenturen polyform und DroidSolutions entwickelt. Die dafür notwendigen Daten liegen bereits durch das Projekt „Modelldigitalisierung 3D von Natur- und Kulturgut Oldenburg (MoDi)“ in Zusammenarbeit mit der Jade Hochschule Oldenburg vor. Ein vollständiger 3D-Scan der entsprechenden Grabkammer wurde im Rahmen des Projektes erstellt und steht nun für die Nutzung in der App zur Verfügung.

Die App „mega!lith 3D“ wird entwickelt im Rahmen von „dive in. Programm für digitale Interaktionen“ der Kulturstiftung des Bundes, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Programm NEUSTART KULTUR. Geplant sind Vermittlungsangebote speziell für Schulklassen, aber auch für Besuchende jeden Alters, ob mit oder ohne Vorerfahrung. Außerdem sind mehrere Veranstaltungen geplant, die die Megalithkultur thematisieren. Voraussichtlich im Herbst soll die Anwendung für die Besuchenden nutzbar sein.

Das Landesmuseum Natur und Mensch ist Mitglied im Verein Megalithic Routes, der seit 2013 jedes Jahr den Europäischen Tag der Megalithkultur begeht, um ihren hohen allgemeinen Wert und ihre Besonderheiten zu verdeutlichen. 2022 lautet das Motto „Megalithische Denkmaler als Archive des alltäglichen Lebens“. Die Kleinenknetener Steine sind Teil der „Straße der Megalithkultur“, die als niedersächsischer Abschnitt der „European Route of Megalithic Culture“ 33 archäologische Stationen mit mehr als 70 Megalithanlagen verbindet. Die 310 Kilometer lange Route verläuft von Osnabrück über Cloppenburg nach Wildeshausen und Oldenburg.

Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg zeigt die ältesten Metallfunde Nordeuropas

Oldenburg. Das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg präsentiert die sogenannten „Lüstringer Kupferfunde“ vom 11. - 27.  März erstmalig in Oldenburg der Öffentlichkeit. Das hohe Alter der Funde und die Fundregion macht sie zur Sensation: Wissenschaftler:innen fanden heraus, dass sie über 5000 Jahre alt sind und es sich damit um die ältesten Metallfunde Nordeuropas handelt. Wie alle Funde der Weser-Ems-Region werden sie in die Sammlung des Landesmuseums Natur und Mensch Oldenburg aufgenommen.

Die einzigartigen Funde wurden bereits im Jahr 2016 in Osnabrück-Lüstringen durch einen ehrenamtlichen Sondengänger bei der Begehung einer geplanten Baustelle entdeckt.

Der gesamte Komplex wurde als sogenannte Blockbergung von der Stadtarchäologie Osnabrück geborgen und unter Laborbedingungen in der Restaurierungswerkstatt „ausgegraben“. Die Computertomografie des Blocks zeigte eine Axt, eine sogenannte Knaufhammeraxt des 4. Jahrtausend vor unserer Zeit. Sie wird wegen der charakteristischen Form so bezeichnet. Darunter zeigten sich drei zwischen 25 und 30 cm langen mondsichelförmigen Ringe aus flachem Blech. Diese Ringe werden als „kleine Monde“ (Lunulae) bezeichnet. Meistens sind sie aus dünnem Goldblech, Bronze – wie hier in Oldenburg – oder sogar aus Schiefer hergestellt. Die aufgerollten Enden legen eine Nutzung als Hals- oder Brustschmuck an einer Schnur nahe. Eine Sensation ist das hohe Alter der Funde und die Fundregion. Liegt doch das Hauptverbreitungsgebiet vergleichbarer Funde in Südosteuropa und dem ostalpinen Raum und nicht in Norddeutschland. Zeitlich gehören sie in die Zeit von 3300 bis 3000 vor unserer Zeit, sie sind also über 5000 Jahre alt. Archäologisch ist das die Zeit der so genannten Trichterbecherkultur, die nach ihren charakteristischen trichterförmigen Gefäßen so benannt wurde. Diese Menschen der Jungsteinzeit (archäologisch: Neolithikum) errichteten die in unserer Region so bekannten Großsteingräber, so genannte Megalithgräber und verwendeten eigentlich kein Metall. Der bisher einzige bekannte Metallfund aus dieser Zeit und Region ist ein kleines Kupferblech aus dem Großsteingrab von Kleinenkneten. Es wurde vom Museum in den 1930er Jahren ausgegraben und ist in der Dauerausstellung im Landesmuseum Natur und Mensch zu sehen.

Technologietransfer, Handel, Tausch oder Mitbringsel?

Die Kenntnisse einer so hochentwickelten Metallverarbeitung stammen aus dem Karpatenbecken, Vorderasien und Ägypten wo schon vor 8000 Jahren hochwertige kupferne Gegenstände angefertigt wurden. Metallanalysen können helfen, den technologischen Fortschritt in der Bronzeherstellung zu zeigen und die Herstellungsregionen einzugrenzen.

Die Funde werden nach ihrer Präsentation in Oldenburg zunächst ab dem 1. April 2022 als ein Highlight in der Ausstellung „Die Erfindung der Götter“ im Landesmuseum Hannover gezeigt.

Engagiert für Frieden, Bildung und Nachhaltigkeit

Dreiteilige Interviewreihe des Landesmuseums Natur und Mensch stellt Oldenburger Personen vor.

Oldenburg. Armut, Klimawandel, unzureichende Infrastruktur – Die Sonderausstellung „Mission 2030 – Globale Ziele erleben“ zeigt Wege auf, wie sich Menschen in verschieden Ländern und Projekten für eine nachhaltigere Zukunft einsetzen. Doch neben großen Organisationen sind es oft auch Einzelpersonen, die einen wichtigen Beitrag leisten. In Kooperation mit Werkstatt Zukunft hat das Landesmuseum Natur und Mensch drei Interviews mit Oldenburger:innen aufgezeichnet, die sich über Grenzen hinweg für Frieden, Bildung und Nachhaltigkeit in ihren Herkunftsländern einsetzen. In den rund 15-minütigen Gesprächen berichten Maryam Ghandehari, Jawid Sadeqi und Lucien Minka von ihrem Engagement, ihrer persönlichen Geschichte und ihrer Suche nach Antworten für eine gerechtere, verträglichere Welt. Die Interviews sind online unter www.naturundmensch.de und www.werkstatt-zukunft.org zu sehen.

Maryam Ghandehari erklärt im Interview mit Barthel Pester von Werkstatt Zukunft die Bedeutung von Bildung für Zukunftsthemen und wie sie sich für das Klima einsetzt. Maryam Ghandehari wuchs in einem interkulturellen Teheran in der Zeit vor der Revolution im Jahr 1979 auf. Schon früh erlebte sie mit ihrer Familie den kulturellen Austausch. Sie selbst besuchte eine französische Nonnenschule. Später studierte Maryam Ghandehari französische Literatur und promovierte im Jahr 2017 über das Thema „Lösungsansätze zur nachhaltigen ländlichen Entwicklung in den Trockenzonen Irans“ in Hamburg.

Jawid Sadeqi arbeitete als TV-Journalist in seiner Heimat Afghanistan. Trotz politischer Unsicherheit berichtete er mehrmals wöchentlich über Korruption, Diskriminierung und Frauenrechte in seiner TV-Sendung „Rote Karte“. Vor fünfeinhalb Jahren floh er nach Deutschland, um sich und seine Familie in Sicherheit zu bringen. Von Deutschland aus bleibt er in Kontakt mit den Menschen in Afghanistan und berichtet weiter über die Zustände dort, um sich weiterhin für die Zukunft des Landes einzusetzen.

Lucien Minka ist bei der Stadt Oldenburg in der Sozialen Arbeit tätig. Nebenberuflich verfolgt der gebürtige Kameruner eine Ausbildung zum Psychotherapeuten. In Kamerun hat er den Verein „AmiCAL“ gegründet, der Schulen und Kindergärten unterstützt. Im Beitrag beschreibt er, was Bildung in Kamerun für Klimagerechtigkeit bewirken kann.

Die Interviewreihe wird gefördert durch das Programm „360° - Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft“ der Kulturstiftung des Bundes. Mit dem Programm werden Kulturinstitutionen dabei unterstützt, sich intensiver mit Migration und kultureller Vielfalt auseinanderzusetzen und neue Zugänge und Sichtbarkeiten für Gruppen der Gesellschaft zu schaffen, die bislang nicht angemessen erreicht wurden. Das Modellprogramm fördert zu diesem Zweck eine Vielfalt von Ansätzen, die auf die diversitätsbezogene Öffnung in den Bereichen Programm, Publikum und Personal.

Transparenz bei kolonialem Erbe in Oldenburg

Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten im Natur und Mensch ab sofort online abrufbar

 

Oldenburg. Das Natur und Mensch ist im Onlineportal „Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ der Deutschen Digitalen Bibliothek vertreten. Das Portal ist am 30. November gestartet und Teil der von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden beschlossenen „3 Wege-Strategie zur Erfassung und digitalen Veröffentlichung von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland“. Das Ziel, dem sich auch das Landesmuseum verschreibt, ist es, über dieses Portal eine größtmögliche Transparenz bezüglich der kolonialen Sammlungsbestände in deutschen Museen herzustellen. In einer Pilotphase startete das Onlineportal mit der Veröffentlichung von rund 8.000 Datensätzen aus 25 Institutionen. An dieser Pilotphase ist das Natur und Mensch über den niedersächsischen Forschungsverbund PAESE (Provenienzforschung zu außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen) beteiligt.

Zum Start wählte das Landesmuseum 148 ethnologische Objekte aus ehemaligen deutschen Kolonialgebieten in Afrika aus. Darunter befinden sich auch alle in Oldenburg vorhandenen Objekte, die um 1900 vom Museum für Völkerkunde Berlin (heute Ethnologisches Museum) eingegangen sind. „Die ausgewählten Bestände und ihre Sammler sind wichtig für verschiedene aktuelle Forschungsprojekte, weswegen wir mit diesen Objekten beginnen“, berichtet Jennifer Tadge, PAESE-Projektmitarbeiterin am Natur und Mensch.

„Perspektivisch möchten wir über dieses Portal einen möglichst vollständigen und transparenten Überblick über unsere ethnologischen und naturkundlichen Sammlungen aus kolonialen Kontexten gewährleisten“, ergänzt Museumsdirektorin Dr. Ursula Warnke.

Deutschlandweiter Wettbewerb zur Artenvielfalt im Jahr 2022

Naturbegeisterte in Oldenburg sowie dem Landkreis Oldenburg sind zum Erfassen der Natur mittels künstlicher Intelligenz aufgerufen

Oldenburg. „Was kann ich allein schon ausrichten?“ – eine Frage, die sich viele stellen, wenn es um Naturschutz und Artenvielfalt geht. Ab dem 1. Januar 2022 ist die Antwort ganz einfach: beim deutschlandweiten „Bioblitz 2022“ (#bioblitz2022) der Landkreise oder kreisfreien Städte teilnehmen und Erkenntnisse sammeln, denn man kann bekanntlich nur schützen, was man kennt! Das Landesmuseum Natur und Mensch ruft zusammen mit der Naturbeobachtungsplattform Obervation.org zur Teilnahme an diesem Wettbewerb der Artenvielfalt in Oldenburg und dem Landkreis Oldenburg auf.

Landkreise und kreisfreie Städte treten gegeneinander an

Alle Naturbegeisterten sind aufgerufen mitzumachen, ganz egal ob Laien, Expert:innen, Familien oder Schulklassen, um ihre Städte bzw. Kreise zu unterstützen. Schon jetzt haben auch zahlreiche Institutionen wie Biostationen, Uni-Institute und Museen aus ganz Deutschland ihre Teilnahme zugesagt, von Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg, von Rheinland-Pfalz bis Sachsen.

Was ist eigentlich ein Bioblitz? Ein Bioblitz ist eine Aktion, bei der auf einem bestimmten Gebiet in einem bestimmten Zeitraum so viele Arten wie möglich nachgewiesen werden sollen. Naturbegeisterte in ganz Deutschland sollen beim „Bioblitz 2022“ versuchen, ihren Landkreisen oder kreisfreien Städten zu möglichst langen Artenlisten zu verhelfen. Dies geschieht, indem sie das ganze Jahr 2022 über so viele Naturbeobachtungen wie möglich melden – per Smartphone über die App ObsIdentify oder über die Webseite Observation.org. Der Wettkampf der Städte und Landkreise soll dabei natürlich vor allem einem guten Zweck dienen. Ziel ist es, Menschen für die Natur zu begeistern und Erkenntnisse über die bedrohte Artenvielfalt in Deutschland zu gewinnen: Die Ergebnisse werden dem Naturschutz und der Grundlagenforschung zur Verfügung gestellt. Die Daten stehen beispielsweise zur Erstellung Roter Listen der gefährdeten Arten zur Verfügung oder auch für die Naturschutzarbeit vor Ort. Sie fließen aber auch in internationale Auswertungen ein.

So geht es

Durch die Nutzung der App ObsIdentify, die über eine automatische Bestimmungsfunktion verfügt, kann man auch ohne Artenkenntnisse mitmachen. Benötigt wird hierfür lediglich ein Handy mit halbwegs guter Kamera und ein Nutzer:innen-Account. Die künstliche Intelligenz, das System hinter der App, lernt ständig dazu. Sie erkennt bereits jetzt zahlreiche heimische Pflanzen und Tiere wie Schmetterlinge, Wanzen, Libellen und viele mehr. Wer sich gut bei der Tier- und Pflanzenbestimmung auskennt, kann auch die Apps ObsMapp und iObs verwenden, um Funde auch ohne Foto zu melden oder direkt die Webseite Observation.org verwenden. Die gemeldeten Fotos werden im Anschluss durch Fachleute validiert, so dass am Ende ein Datensatz entsteht, der wissenschaftlichen Ansprüchen genügt.

Forschungsbeitrag leisten

Bei einem Bioblitz zählt alles, was bestimmbar ist, egal ob Einzeller, Pilz, Pflanze oder Tier. „Wir möchten gemeinsam mit den Interessierten vor Ort entdecken, wie vielfältig die Tier- und Pflanzenwelt in und um Oldenburg herum ist und damit einen Beitrag zur Erfassung der Biodiversität vor unserer Haustür leisten“, erklärt Dr. Christina Barilaro, stellvertretende Direktorin des Natur und Mensch.

Die Städte Münster und Salzburg haben übrigens im Jahr 2021 bereits einen solchen Bioblitz erfolgreich durchgeführt. Heraus kamen über 3.350 Arten in Münster und 2.500 Arten in Salzburg. Zu den Ergebnissen zählten Erstfunde für die jeweiligen Gebiete und zahlreiche Nachweise von Arten, die im Rahmen des Klimawandels derzeit ihr Areal verändern. Über Observation.org lassen sich solche Entwicklungen nahezu live verfolgen.

Für Interessierte stehen Informationen zum Projekt (#bioblitz2022) auf der Website bereit: www.bi-oblitze.lwl.org.

Interessierte finden zukünftig die Ergebnisse der Bioblitze 2022 hier: https://observation.org/bioblitz/categories/d-landkreise-und-kreisfreie-stadte-2022

Fragen beantwortet:

Dr. Christina Barilaro

c.barilarolandesmuseen-ol.de (0441) 40570-302

Studierende präsentieren aktuelle Forschung im Landesmuseum

Im Fokus stehen Objekte aus der botanischen Sammlung

 

Oldenburg. Anlässlich des Welttags der Wissenschaft am 10. November stellen Studierende der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg von 15 bis 17 Uhr ihre teils preisgekrönten Forschungsarbeiten im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg vor.

In den letzten vier Jahren haben Nachwuchswissenschaftler:innen unter Leitung von Dr. Maria Will verschiedenen Objekten der botanischen Sammlung des Museums ihre Geheimnisse entlockt.

Die Fragestellungen und Ergebnisse der Forschungspraktika und Abschlussarbeiten waren vielfältig: Die Nachbestimmung eines historischen Apotheker-Herbariums enthüllte gefährliche Verwechslungen. Recherchen zu einer Gehölzsammlung offenbarten diese als Rarität aus dem 18. Jahrhundert. Ein Herbarium im Miniaturformat zeigte sich als Schenkung der Großherzogin Cäcilie von Oldenburg. Andere Arbeiten beschäftigten sich mit Sammlerbiographien, Kolonialismus oder stellten didaktische Überlegungen zur Arbeit mit Museumssammlungen an.

Die Kooperation zwischen den beiden Institutionen wird zukünftig weitergeführt. Für interessierte Studierende gibt dieser Tag einen Einblick, welche Möglichkeiten die Sammlung für eigene Arbeiten bietet. Die Dokumentation der Ergebnisse sowie ein Teil der beforschten Museumsobjekte werden bis 21. November öffentlich in der Dauerausstellung zu sehen sein.

Kontakt

Lena Nietschke

Tel. 0441 / 40570 306
pressenaturundmensch.de

Damm 38-46
26125 Oldenburg

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